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Die Legalisierung von Jailbaits?

Samstag, 28. Februar 2009 | Autor: Roger B. Nigk

- staircase: Erschreckende Einblicke -

Ich hab es mir durchgelesen und halte es für moralisch recht tückisch sich damit auseinanderzusetzen. Ich verurteile Kinderpornographie in jeglicher Form und würde am liebsten auf alle Vertreter dieses Fetisches literweise Magensäure kotzen. Einen anonymen Brief von einem dieser Schweine zu lesen dessen IQ höher ist als der Name einer Sexstellung, empfand ich allerdings als sehr unterhaltsam. Was mir ein wenig Angst macht ist dass es sicher ein paar latent kindsgeile Leser gibt, die sich von diesem Brief zu dummen Taten verleiten lassen weil es ja dem Schreiber zufolge in Ordnung ist auf Kinder abzufahren. Solltet ihr das wirklich lesen so bleibt würdevoll genug euch Kindern nicht in sexueller Absicht zu nähern. Just keep it clean…

Thema: In sich gekehrt | Ein Kommentar

“Ihr beschissenen Kackbratzen!” – Roger Nigk zur US-Präsi-wahl 2008

Mittwoch, 5. November 2008 | Autor: Roger B. Nigk

Wie’s mir hochkommt! Zitat:

Wir haben es gewusst!1.578.838 VZ-Stimmen hatten Recht.

Ihr verfickten studiFotzen, explodiert sofort an eurer blähenden Selbstbeweihräucherung! Ich sollte eigentlich meine dumme Fresse halten und hier nichts über die Präsidentschaftswahl schreiben, aber ich muss!

Überlegen wir mal kurz was wir in den letzten Wochen so von uns gegeben haben, vor allem wenn wir von Fernseh-, Radio- oder BILD-Zeitungsreportern gefragt wurden. “Ja, ja. Der Obama, des is’ scho’ a geiler. Der soll’s werden!” Und warum? “Den seh ich ständig auf YouTube und so. Der is’ echt lustig und voll cool.” Lustig und voll cool. Sicherlich die richtigen Eigenschaften für jemanden, der seinen Schwanz in das bedeutendste Stück Erde steckt, um uns entweder mit den geilsten Orgasmen unseres Lebens zu beglücken oder grausam zu vergewaltigen (alles was dazwischen liegt ist für uns uninteressant und wird normalerweise gar nicht wahrgenommen). Also echt lustig und voll cool ist der Gute. Was macht Obama noch zum geeigneten Präsidenten? “Na, er is’ schwarz! Das gab’s noch nie!” Und? Merkt ihr was? Alles wird mal wieder nur oberflächlich betrachtet. Für was setzen sich Obama-Mama und Pommes-McCain denn politisch ein? Was wollen sie? Was ist ihnen besonders wichtig? Weiß hier natürlich keiner und wenn, nur in sehr groben Zügen. Trotzdem wird öffentlich Stellung bezogen und die persönliche Meinung mit Fußtritten verteidigt, wenn man denn mal Bedenken äußert. Don’t get me wrong, ich kenne mich selbst nicht aus. Ich habe in der Glotze die Obama-Rede in Berlin gesehen und gehört, dass er anscheinend nichts zu sagen hat, das aber möglichst lange und laut. Vielleicht hab ich auch nur nicht richtig hingehört und das wichtige Zeug einfach nicht mitgekriegt. Kann durchaus sein, muss es aber nicht. Macht ja schließlich jeder Politiker so: Pseudobedeutungsvolle Phrasen dreschen und nach dem öffentlichen Onanieren die Hände durchs Haar fahren. Das würde auch ein McCain so tun, wenn er denn die coolen Predigersprüche dafür draufhätte.

Mir ist wirklich scheißegal wer Präsident geworden ist. Mir ist scheißegal was in Amerika passiert. Ich bin ein verfickter Egoist und will erst meinen Vorhof saubergekehrt haben, bevor ich mich frage warum das Oval Office oval ist. Wenn das absolute Chaos bei uns ausbricht, weil drüben einer Mist baut, fresse ich meine Nachbarn um zu überleben, bis ich selbst gefressen werde. That’s da shit. Call me a dumb ignorant fuck, den es total nervt, dass man sein Maul hierzulande so weit aufreißen kann, ohne Ahnung zu haben. Yessirrr, das mach ich selbst zwar oft genug, doch ich mach keinen Hehl daraus.

Seien wir jetzt also mal ehrlich zu uns selbst. Wissen wir wirklich wer der bessere Präsident wäre? Können wir fundiert begründen warum wir so denken? Wie realistisch sind die Wahlversprechungen? Befürworte ich den oder den nur deswegen, weil er einfach unterhaltsamer/sympathischer/jünger/hübscher ist? Von den 1.578.838 Vollidioten können sicherlich nicht mal 1% meine letzte Frage mit “nein” beantworten. Das ist traurig. Und wie traurig die Versuche der Kandidaten waren, um Wählerstimmen zu kassieren, darüber will ich mich gar nicht erst auslassen.

Nochmal: Ich habe keine Ahnung von den politischen Absichten der Kandidaten. Die betreffenden Wikipedia-Seiten auswendig zu lernen, reicht da nicht. Ich möchte uns nur vor Augen führen, wie schnell und unglaublich leichtsinnig wir Menschen uns oft eine Meinung bilden. Das ist für uns weniger gefährlich als für die Amis, denn wir müssen nicht ins Wahllokal. Nur sollten wir uns nicht toller vorkommen als wir sind, bloß weil wir das nachlabern was alle labern, ohne vorher einen klugen Gedanken unserer Meinungsbildung hinzugefügt zu haben. Scheißt auf die Hautfarbe, auf das breite Grinsen, die Kriegsverletzungen und die maßgeschneiderten Anzüge. Die helfen kein bisschen dabei, die Schubkarre durch den Treibsand zu fahren. Yay! Barack Obama is’ es! Toll. Der Kerl der im Park vorm Weißen Haus joggen wird und weiter seine 30-Kilo-Kurzhantel-Curls macht, damit er weiterhin in seinen Anzug passt. Vielleicht ist es das Beste so. Vielleicht auch nicht. Wer weiß. Ist auch total egal. Ich geh jetzt mit Ralph Nader einen Saufen. Er hat gesagt, er nimmt Nutten mit ins Auto. Und spätestens wenn ihr mal wieder was wählen müsst (ist der eigentlich Grund für diesen Blog-Beitrag): BITTE informiert euch gründlich genug! Kein Blinder unterschreibt etwas, dass man ihm nicht vorgelesen hat. Und wenn man am Ende euer Vertrauen missbraucht hat, wehrt euch!

Thema: In sich gekehrt, disrespects | 9 Kommentare

Dienstag, 4. November 2008 | Autor: Roger B. Nigk

Man kann im Wohnzimmer liegend vom Wecker aufgeweckt werden und sich dazu entschließen, ein bisschen weiterzuschlafen. Im Traum wacht man einige Zeit später auf, bestaunt die Uhr, die nur 60 Sekunden älter geworden ist und schmeißt sich wieder zurück ins Kissen. Dann wacht man wirklich auf und erschrickt, weil man nur noch wenige Minuten für Frühstück, Waschen und Anziehen hat. Die Freundin wird angerufen. Ob sie nicht mit mir auf den übernächsten Bus warten möchten. Ihr Handy ist ausgeschalten. Der Busfahrer wird nicht warten. Sie auch nicht.

Man kann schnellen Schrittes zum Bus laufen und den Fahrgast einsteigen sehen, der sich einen Tag zuvor noch lautstark mit dem Busfahrer zu einer Schlägerei verabredet hatte, jetzt aber fast normal eine Fahrkarte verlangt. Im Bus kann man mit seinem Sitznachbar über auf den Kopf gestellte 8er-Schilder sprechen und an die Zahl 69 denken. Beim Hauptbahnhof sieht man neben dem leerstehenden Sexshop einen Laden namens “Sparschwein” und verspürt den Wunsch das “Sp” abzukratzen. Die Arbeit mit dem “wein” soll sich jemand anders machen. Auf dem Fußweg Richtung Uni zählt man dann die Zigarettenkippen auf der Straße und vergisst bei dem Gesprächsthema über schlafende Wohnheimstudenten zu zählen.

Man kann nach Hause kommen und sich über das Studium ärgern, versuchen zu lernen und sich aber nach dem Öffnen des Lehrbuches zum Schlafen wieder hinlegen. Einige Stunden später wacht man auf und fährt mit seiner Großmutter Socken kaufen. Als es draußen schon dunkel ist ruft der beste Freund an. Man verabredet sich, geht spazieren und bleibt bei einem Spielplatz hängen. Und kurz denkt man an eine sehr nahestehende Person mit einem Blutdruck von 225 zu 118 die gerade zuhause auf der Wohnzimmercouch vor laufendem Fernseher eingeschlafen ist.

Man kann als fast 23-Jähriger sich auf eine Schaukel setzen und beim ersten Schwungholen erstaunt über dieses komische Bauchgefühl sein.

Mit geschlossenen Augen.

Thema: In sich gekehrt, Musik | Beitrag kommentieren

Zwischen Vergangenheit und dessen Zukunft diktiert

Donnerstag, 2. Oktober 2008 | Autor: Roger B. Nigk

- Text am 26. Sept. verfasst und erst jetzt, nach langem Zögern veröffentlicht; nach einer Diktiergerätaufnahme im gesprochenen Wortlaut geschrieben; Denkpausen und Verlegenheitswörter entfernt; um einen weiteren Erzählstrang ergänzt -

Hey,
schon ‘ne Weile her seit du gestorben bist. Ich wollte deine letzten Stunden in meinem Internet-”Tagebuch” aufarbeiten, hab’s aber nicht. Hätte nichts gebracht. Vielleicht gäbe es einen oder zwei Leser die sich die Tränen verdrückt hätten, weil es ja durchaus tragisch war, aber drauf geschissen.

Hat sich ‘ne Menge verändert. Oma konnte nicht warten deine Sachen wegzuschaffen. Das hat mich ziemlich erschüttert. Als ich dein Bett abbaute, genauso wie dein Pavillon draußen, fühlte ich nicht viel, es war mir ziemlich egal. Jetzt wo ich die leeren Stellen sehe, schmerzt es mich. Das hat es aber genauso als sie noch hier waren, also hätte es keinen großen Unterschied gemacht.

Unser Verhältnis zueinander war schlecht, das weißt du. Viel hatten wir nicht miteinander zu tun, weil wir verschiedene Auffassungen vom Leben haben. Sicher, du hast es nur gut gemeint, auf deine Art und Weise. Helfen konnte ich dir auch nie besonders viel. Nur wenn der Krankenwagen kam war ich es, der dir die Socken anzog und dich auf deinem Gehwagen durch die Wohnung schob, weil Oma dich nicht anfassen wollte. Einmal hast du es mir gedankt. Das hat mich gefreut. Oma wäre sicher anders gewesen wenn du auch ihr ein paar Sachen gedankt hättest. Macht nichts, es ist okay und war zu der Zeit auch schon viel zu spät dafür.

Wie’s Oma geht wolltest du schon damals wissen, als ich in deinen letzten Stunden über Nacht bei dir war. Du wolltest ihre Stimme hören, wolltest dass ich sie zuhause aufnehme und vielleicht ein kleines Video mache in dem sie zu dir spricht. In diesem kurzen Moment wusste ich dass der Opa zu mir sprach, dessen Verstand noch nicht vom Krebs zerfressen war. In diesem Moment warst du klaren Geistes, obwohl dein Körper mir ein anderes Bild versprechen wollte. Wenige Stunden später ging es dann spürbar bergab, auch mit mir. Ich war kurz eingeschlafen, ohne dass ich es merkte und ich war wütend auf mich. Schon von Anfang an konnte man spüren dass etwas nicht stimmt. Als ich deine Hand hielt war sie eiskalt, anders als sonst. Stille. Nur das Blubbern des Beatmungsgeräts. Leichtes aufbäumen deinerseits, leichte Abwehrbewegungen wie bei einem geweckten Baby und ich mit schweren Augen. Frag mich nicht wie oft ich zur Schwester rannte weil du etwas wolltest oder weil ich Hilfe brauchte. Wie viel wirres Zeug du geredet hast. Und du hast mich beschuldigt dich umbringen zu wollen. Okay, vielleicht denkt man so mit einem Körper voller Tumoren, Metastasen, Beruhigungsmitteln und Morphium, Stunden bevor man stirbt. Schwer getroffen hat es mich trotzdem, besonders als du der Schwester in deinen schwer verständlichen Worten sagtest, was ich angeblich gemacht hätte. Äußerlich blieb ich cool, aber tief in mir drinnen machte sich große Hilflosigkeit breit. Ich wusste nicht wie ich dir helfen soll. Du hättest meine Hand gebraucht, ich entzog sie dir, weil ich so geschockt war von deinen Worten. Wir waren nicht immer gut, aber auf dem letzten Abschnitt deines Lebensweges, hätte ich alles für dich getan, damit es dir besser geht.

Zu der Zeit in der du noch bei uns zuhause warst, merkte man wie hilflos du mit ansahst, wie deine Wahrnehmung, dein Urteilsvermögen, einfach alles, sich stark zurückbildete. Keine Ahnung warum, in deinem Krankenbett der Palliativstation liegend, unfähig dich richtig zu bewegen, traute ich dir dennoch zu, geistig komplett der Mensch zu sein, der du vor deiner Krankheit warst. Trugschluss, ich weiß.

Die komplette Nacht nochmal aufzurollen würde den Rahmen sprengen, also lasse ich das. Mein Onkel löste mich irgendwann vormittags ab. Er kam zu dir, obwohl du auch ihn vor ein paar Tagen beschuldigt hast, dich umbringen zu wollen. Weiß nicht ob ich das geschafft hätte. Vielleicht schon. Ich fuhr nach Hause, holte etwas Schlaf nach. Kurz vor drei Uhr wartete ich auf Oma, die beim Einkaufen war. Der PC war eingeschalten, das Mikrophon ausgerichtet, das Aufnahmeprogramm geöffnet, da wurde ich angerufen und ich erfuhr dass du gestorben bist. Mein Onkel hielt deine Hand dabei. Gerade er. Von all deinen Kindern, hätte ich mir gewünscht dass er es war. Der, von dem du nie wusstest ob er dein eigenes Kind ist. Der, dem du glaube ich nie wirklich gezeigt hast, dass dir etwas an ihm liegt oder dass du etwas von ihm hältst. Er hielt deine Hand als du schliefst. Er roch den Lavendel den die Schwester vor einigen Stunden auf eine Mullbinde träufelte und mit mir über dein Bett hing, um dich zu beruhigen. Er hörte dein Röcheln. Er sah deinen halboffenen Munde. Er beobachtete die immer länger werdenden Abstände zwischen deinen Atemzügen. Bis … oh Mann.

Kann dir nicht sagen ob Oma sich nach deinem Tod verändert hat. Das Porträt von ihr, dass ich vor langer Zeit malte und in meinem Innersten über ihren Altar hängte, würde inzwischen anders aussehen, so viel steht fest. Ich liebe sie immer noch mehr als alles andere, nur ist auch sie nicht ohne Fehler. Leider. Weißt du noch wie es immer Ärger gab wenn du Tierfilme oder Sport im Fernseher sahst? Inzwischen schaut sie diese Dinge selbst, vielleicht nicht weil sie ihr gefallen, aber doch weil sie sie an dich erinnern. Sie ist jetzt jeden Tag draußen und macht “deinen Garten” sauber. Mit deinen ehemaligen Freunden hat sie sich übrigens bis aufs Blut verkracht. Kann ich verstehen. Ich selbst kann die Idioten auch nicht mehr anschauen ohne ein komisches Gefühl im Bauch zu haben. Ans Grüßen denke ich gar nicht mehr. Sie haben sich im Nachhinein nicht als wirkliche Freunde entpuppt. Du weißt das und konntest es sicherlich noch zu Lebzeiten spüren. Oma ist übrigens weiterhin so negativ eingestellt wie damals. Sie schimpft sehr viel. Über deine Freunde, über Hundehaufen, über Dreck vor der Haustür und was sonst noch alles. Tut mir ehrlich gesagt sehr weh. Sie macht sich das Leben unnötig schwer. Jetzt hat sie wieder Bluthochdruck und du kennst sie ja. Die Werte sind sehr hoch und wir können es ihr nicht sagen, weil sie sich sonst noch mehr aufregt. Einen Arzt zu holen wäre auch nicht richtig. Dafür nehmen wir still in Kauf, dass sie einen Schlaganfall bekommen könnte. Sehr hart, für jeden von uns. Deine Tochter spricht sich heimlich mit dem Arzt ab, bekommt Tabletten für sie und so weiter. Mit der Schiene fahren wir gerade ziemlich gut, trotz des Stresses den wir haben, wenn es darum geht ihr die neuen Tabletten aufzuschwatzen. Ihre Gedankengänge kennst du ja, glaube ich zumindest. “Neue Tabletten? Da muss was schlimmes mit mir los sein und die sagen’s mir nich!”, “Zum Arzt? Muss ich ins Krankenhaus?” Sie hat Angst um uns. Sie denkt wir wären aufgeschmissen ohne sie und keinen einzigen Tag lebensfähig. Das ist ihre größte Sorge. Ansonsten würde sie ja sterben wollen, sagt sie. Ja, ja. Unsere Familie und der autoaggressive Todestrieb. Eine wilde Ehe bis dass der Tod uns scheidet.

Bald bekommt Oma diese “Aufbauspritzen”, die ihr schon mal geholfen haben. Das beruhigt sie zusätzlich und ich hoffe dass sie sie “gesund” machen. Ich für meinen Teil weiß nicht ob vielleicht sogar ich für ihren hohen Blutdruck zuständig bin. Du erinnerst dich bestimmt noch daran was für ein Hypochonder sie ist. Schlaganfall, Tumore, Alzheimer, Schmerzen im linken Arm, Schmerzen an den Nieren, alles redet sie sich wie gehabt ein. Insofern schwer für uns, weil wir nicht beurteilen können wann sie denn wirklich krank ist. Sie möchte immer hören dass sie nichts hat. Das möchte sie von uns hören, nicht von einem Arzt. Für mich nicht mehr auszuhalten, weswegen ich oft meine Fassung verliere und mich mit ihr streite. Soll sie doch zum Arzt gehen! Hat man ja bei dir gesehen was rauskommen kann, wenn man zu spät dran ist. Außerdem möchte ich mal ausgehen, du weißt schon. Hat dir ja auch nie gefallen als du noch gelebt hast, selbst wenn ich nur ein paar Straßen weiter war. Aber nur wenn du selbst nicht draußen in deinem Pavillon rumgesessen bist oder unten im Keller und dir dann sowieso scheißegal war, was bei uns zuhause abging. Dienstag, mein letzter Tag vor Studienbeginn, wollte ich nach München. Du kannst dir nicht vorstellen was sie für Geschütze auffuhr. Ich empfand es als seelische Erpressung und die Dinge die sie sagte haben mich sehr verletzt. Deswegen werde ich ihr Porträt in meinem Inneren wohl langsam abhängen und auf den Boden stellen, den Altar aber unberührt lassen. Sie macht sich selbst und allen das Leben viel zu schwer. Das ist sowas von unnötig. Ihre Ängste wird sie nie besiegen können, das ist unglaublich traurig. Sie merkt gar nicht wie sehr sie andere – vor allem mich, der bei ihr wohnen muss – mit in den Abgrund zieht. Ich liebe sie, egal wie viele Gabeln und Messer sie mir ins Herz rammt. Ich werde mit einem Messer ein Stück abschneiden und sie mit der Gabel füttern, wenn es sein muss. Bis das scheiß Ding nicht mehr pocht. Trotzdem…

Alles könnte so einfach sein. Ich sitze zwischen zwei Stühlen, zwischen zwei elektrischen Stühlen. Jeder Weg ist der falsche, stehen bleiben möchte ich aber auch nicht mehr. Das hab ich viel zu lange. Meine Schritte werden aber viel kaputt treten. Alles ist so zum kotzen und ich würde gerne an meinem Erbrochenem ersticken. Könnte man als “Flucht nach vorne” interpretieren.

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Lange her dass ich an deinem Grab war. Ich kann dir nicht versprechen dass ich dich bald dort besuchen werde, aber dieses Jahr möchte ich es noch schaffen. Weißt jetzt nicht mehr was ich sagen soll, deshalb mach ich jetzt Schluss. Alles Gute zum Geburtstag. Du wärst 71 geworden. Die Typen von denen wir deinen Gehwagen und die Badehilfe die du nie benutzt hast, gemietet haben, von denen hast du eine Glückwunschkarte geschickt bekommen. Viel Gesundheit und ein langes Leben wünschen sie dir.

Als wir in München durch den Viktualienmarkt gingen und es nach Lavendel roch, saß ich an deinem Krankenbett und sah dich schlafen.

Sitz jetzt schon viel zu lange mit diesem Diktiertgerät vor meiner Fresse. Ich mach jetzt wirklich Schluss.

Schmerzmittel-Infusion

Thema: In sich gekehrt | 3 Kommentare

Wie Thanatos Freuds Arschloch deflorierte

Montag, 21. Juli 2008 | Autor: Roger B. Nigk

Bleib ich so wie ich mich grad fühle, werde ich magersüchtig. Kein Hunger. Zumindest noch. Keine Lust etwas zu essen und bleibt das so, werde ich magersüchtig. Für immer.

Ich hätte große Lust all meine Stunden im Fitnessraum meines Onkels und den Mehrverbrauch an Nahrung im Rahmen des Muskelaufbaus einfach so verpuffen zu lassen. Ich will die über Jahre hart erkämpften Kilos wieder loswerden. Weg damit. Ich will an meinen Ursprung zurück. Zurück zu dem, was die Natur ohne mein Zutun für mich gewollt hätte. Ich will dass alles was ich in meinem Leben getan und geleistet habe nutzlos wird, wenn es das noch nicht ist. Dieses innere Jucken möchte ich wegkratzen, meinen ganzen Körper ausschaben und jedes Organ, jeden Zentimeter Gewebe den ich nicht brauche, laut brüllend aus dem Fenster werfen. Hunde sollen fressen wovon ich mich trenne: Niere, Hoden, Blinddarm, Mandeln, Harn, Fäzes, Tränen, Freunde, Verwandte, Bekannte, Schule, Geld, Gesundheit …

Ich möchte etwas kaputtmachen. Was könnte da näher liegen als ich selbst. Das wird ein großartiges Selbstexperiment! Alles unterlassen was zu unterlassen möglich ist ohne sich auf der Stelle umbringen zu müssen. Essen, trinken, bewegen, sprechen, waschen, blinzeln. Im Zimmer einsperren. Wird schon keiner merken dass ich weg bin. Falls doch, mir egal, denn ich hab den Schlüssel. Ich machs wie mein ehemaliger Schulkamerad heute, der schon seit Monaten mit seiner Frustration zu kämpfen hat: In Klausur gehen, rumheulen, sich schneiden, im Selbstgespräch schlimme Worte an sein nutzloses Leben richten. Hunger hab ich. Durst hab ich. Nur Lust, die hab ich nicht.

“Ich habe sie immer gefürchtet; was man auch dagegen tut: ihre Verwitterung. Überhaupt der ganze Mensch! – als Konstruktion möglich, aber das Material ist verfehlt: Fleisch ist kein Material, sondern ein Fluch.”
- aus homo faber. ein Bericht (Max Frisch)

Thema: In sich gekehrt, Weichei-Wehwehchen, crackbrained | Ein Kommentar

Burnout

Freitag, 16. Mai 2008 | Autor: Roger B. Nigk

Durchdrehen. Irgendein halbstarkes Arschloch hält an der roten Ampel. Ich stehe neben seiner Karre auf dem Bürgersteig, bücke mich und schau ihn durchs offene Seitenfenster an. Blechernes Bassgewummer aus den Lautsprecherboxen drückt mir ins Gesicht. Er sieht mich nicht. Die Ampel wird grün. Das Gaspedal wird in den Boden getreten wie eine senkrecht stehende Coladose. Quietschende Reifen, durchdrehend. Das Auto bricht ein bisschen in meine Richtung aus, bewegt sich aber kaum nach vorne. Zeitverzögertes losfahren. Ein stinkender Burnout. Tick, tick, tick …

Ich dreh durch, in etwa so wie diese Reifen. Durchdrehen heißt, losgehen und doch stehen. Ich gehe bei rotem Ampelmännchen über die Straße, denke laut: “Ich bin Teil der Generation XS und am austicken!”
Wir sind alle extra kleine Lichter eines Lebens im unendlichen Kreisverkehr mit diversen Abzweigungen, die uns alle in eine Sackgasse führen. Ständig kommen wir an einem Baum vorbei den wir schon einmal gesehen haben. Schön ist das. Ein bisschen grün inmitten einer asphaltierten Welt. Sollte uns das nicht ein großes Lächeln ins Gesicht zaubern? Nicht wenn uns dieser Baum selbst durch seine Veränderungen während der vier Jahreszeiten keine erfrischende Abwechslung beschert. Stattdessen werden wir immer und immer wieder mit unserer Unfähigkeit konfrontiert, unser eigenes Leben sinnvoll zu gestalten. Wir lassen gestalten. Das einzige was wir gestalterisch noch selbst in die Hand nehmen, ist unser Geschlechtsteil. Also ziehen wir unsere Hosen nach unten, damit jeder unsere Ärsche sehen kann, und onanieren an diesen Baum, für ein extra kleines Lächeln der anschließenden Erleichterung. Jetzt schreibt Roger schon wieder vom wichsen. Hat der nichts anderes im Kopf? Nein, und das ist das schlimme! Es gibt noch mehr solche Bäume die uns irgendwie das extra kleine Leben erleichtern oder verschönern sollten, welche aber in unserem spritzig blubbernden Sumpf des extra großen Suchtpotentials ersaufen und für die nächste Generation ein weiteres Relikt unserer Schwäche sein werden. Man muss ja nicht an jeden Baum wichsen. Einige starren wir auch einfach nur nichtstuend an, während sich unsere restliche Lebenszeit mit jeder Sekunde unaufhörlich weiter verringert. Tick, tick, tick …

Diese Bäume die unser Leben zerstören sind sogenannte Pionierpflanzen. Sie dringen in noch nicht besiedeltes Gebiet vor, wie ein Tumor. Da steht eine Birke in der unsere Väter Zerstreuung suchten und sie leider auch fanden. Mit der Fernbedienung in der Hand wechseln sie durch die Programme und würden uns damit am liebsten stumm schalten, wenn wir Kinder mit ihnen reden wollen. Dahinter steht eine Pappel, mit der ich selbst gerade zu tun habe. Das gleiche Prinzip, nur ist es keine Fernbedienung. Mit der Computer-Maus klicken wir uns durch die Seiten und werden später nach einem kostenlosen Download goggeln, mit dem wir unsere eigenen Kinder von unserem erzieherischen Desktop löschen können, ohne sie mit einem USB-Kabel erdrosseln zu müssen. Klick, klick, klick …

Es gibt noch mehr Bäume. Die Birke eine Straße weiter ist unser versinnbildlichtes Geschlechtsteil von dem wir nicht lassen können und das uns, wie jeder Baum, von unserem eigentlichen Weg ablenkt und schnell zu quälen beginnt sobald wir merken, dass wir durch diese Zerstreuung die vielen Teile unseres zerstreuten Ichs nicht mehr zusammensetzen können. Wie viel Zeit man mit Wichsen, Ficken und schmutzigen Gedanken vergeuden kann. Darunter leiden wir alle, mehr oder weniger bewusst. Bist du vor deinem extra großen PC-Monitor zufrieden mit deinem extra kleinen Leben? Was möchtest du gerne getan haben bevor du stirbst? Warum tust du das nicht jetzt oder fängst zumindest damit an? Oder ist Internet-Pornos schauen und versaute Blogs lesen das wofür du lebst?

Wir wissen nicht wohin. 99% von uns sind männlich, der Rest ist nur noch verwirrter als wir Phallusträger. Was wir nicht ganz so Verwirrten brauchen um richtige Männer zu sein, ist ein höheres Lebensziel. Das haben wir nicht, weil wir an runterhängenden Ästen hängenbleiben und unsere Willensstärke von unseren Müttern (bzw. femininen Erziehern) extra klein gehalten wurde. Dafür können sie nichts. Es fehlte uns einfach der maskuline Einfluss in der Erziehung. Eine Frau kann niemals einen Mann ersetzen. Und ein Mann kann sich selbst nicht finden, solange er sich in einer Frau sucht. Viele wissen das nicht, werden das niemals herausfinden und werden damit auch niemals glücklich. Wie dem auch sei, ein großes Danke an unsere Eltern, weil sie uns so viel über das wahre Leben verschwiegen haben und uns als Erwachsene in einer Erwachsenenwelt aussetzten, obwohl wir noch gar keine Erwachsenen sind. Wie ein Fötus in der 12. Woche sind wir … extra klein. Generation XS.

Die schlimmste Zeit im Leben eines Mannes kündigt sich an, wenn er nicht weiß wohin mit sich selbst, wenn er weiß dass der von ihm beschrittene Weg ihn nicht glücklich machen wird und wenn er sein für sich höchstes Ziel nicht anstreben kann oder noch schlimmer, kein höchstes Ziel hat. In unseren Möglichkeiten extra klein gehalten, drückt uns das Leben mit seinen vermeintlichen Pflichten die Luft ab. Unser inneres Feuer läuft auf extra kleiner Sparflamme. Wir sind nicht Manns genug der Welt etwas entgegenhalten zu können, wenn sie uns auf die Probe stellt. Sie zwingt uns mit Leichtigkeit in die Knie, anstatt dass wir ihr Stand halten und sie in all ihren Höhen und Tiefen mit unserer Liebe überschwemmen. Wir alle haben eine einzigartige Gabe, die Gabe unsere Liebe in die Welt hinaus zu tragen. Ohne selbst einen wirklichen Sinn im Leben zu haben – nämlich durch das höhere Lebensziel – können wir allerdings nichts geben außer unsere Depression und Niedergeschlagenheit. Und die bekommen dann meist die Menschen bitter zu spüren, deren Herzen wir eigentlich gefühlvoll mit unseren Lippen berühren sollten, damit unsere Liebesbekundungen im Takt der Schläge für sie spürbar werden.

Es geht darum das Leben so sinnvoll wie möglich zu gestalten, sei es auch nur mit Sinnlosigkeit – solang wir damit unsere Angst vor dem Tod verlieren ist alles okay. Der Tod ist in Ordnung, er ist bis an unser Lebensende ein Teil unseres Lebens und wir sollten ihn zärtlich umarmen. Jeder sollte ihn als das erkennen was er faktisch darstellt: Das Ende unseres bewusst aktiven Wirkens auf diesem kranken und zugleich wunderschönen Planeten. Was danach passiert weiß niemand von uns, selbst wenn er es noch so laut behauptet. Deswegen ist es von unendlicher Wichtigkeit sein Leben lieben zu können, in Trauer, Freude, Angst, Hass und Harmonie. Dazu ist keiner von uns in der Lage, wenn wir unser Leben zu lange mit diesem viel zu bequemen Nichts verbringen. Natürlich ist es bequem, glücklich wird aber keiner damit. Ich selbst zum Beispiel, verbrauche ja schon meine kostbare Lebenszeit unnütz, in dem ich mir diesen Blog-Beitrag ausdenke, ihn schreibe, nochmal durchlese und danach versuche, für den Lebenslaien verständlich zu machen. Verdammt, wozu sollte ich das? Man wird mich selbst nach dreißig mal Durchlesen und Verständlicher Machen nicht verstehen! Gerade dresche ich wie wild auf die Cursortasten um zu einem Tippfehler zu gelangen, damit ich ihn verbessern kann. Und wieder vergeht kostbare Lebenszeit. Drisch, klick, tick …

Und du liest gerade wirklich diesen Blog-Mist während du hörst wie deine innere Uhr tickt. Vielleicht begründest du dein online gehen damit, dass du gerade von der Schule oder Arbeit kommst und dich ein bisschen entspannen möchtest. HAHA! Weil wir diese Art von Entspannung brauchen – ich lache! Nicht das Burnout-Syndrom ist es, worunter wir leiden. Wir brauchen keine Entspannung, wir brauchen Entfaltung! Ich weiß nicht wie’s dir geht, aber ich möchte den Tod nicht mehr fürchten müssen, nur weil ich denke, mein Leben noch nicht gelebt zu haben. Warum nehmen wir unsere höchste Lebensaufgabe nicht in Angriff? Wovor haben wir Angst? Tun wir was wir tun wollen, ungeachtet der Konsequenzen! Wir könnten dadurch vor dem finanziellen Ruin stehen, obdachlos werden und alles verlieren. Na und? Mehr als todunglücklich können wir nicht sein und das sind wir bereits! Keiner von uns hat etwas zu verlieren. Reißt euch los von dem billigen Mist den ihr angeblich so liebgewonnen habt und ohne den ihr eurer Meinung nach nicht mehr leben könnt. Ich weiß ja nicht einmal ob meine Meinung richtig ist, aber ich kann euch sagen dass eure falsch ist, denn eure innere Uhr tickt, tickt, tickt … und ihr macht nix, nix, nix …

Überspringt den eingeschobenen Absatz in Klammern wenn er euch zu lang ist und lest darunter weiter.

(Du da hinten, wolltest du nicht mal Feuerwehrmann werden? Jetzt bist du Beamter im Rathaus deines beschissenen Kaffs und zählst deine Papierschnittwunden. Melde dich bei der Freiwilligen Feuerwehr drei Straßen weiter an und habe deinen ersten Einsatz beim Löschen deines Arbeitsplatzes! ||| Du Typ daneben, wolltest du nicht mal ins Ausland um dort ein neues Leben anzufangen? Dann hör auf Weed zu rauchen, melde das teuere Pay-TV-Abo ab, trink deinen letzten Schnaps und fang an Geld zu sparen! Bist du dafür zu schwach, wirst du auch zu schwach sein dir außerhalb deiner Komfortzone etwas neues aufzubauen. Trau dich und wenn es eine Crash-and-Burn-Erfahrung wird, geh wieder zurück und finde dir eine neue Leidenschaft die dein Herz erfüllt. ||| Du, der mit den grauen Schläfen! Schon seit Jahren willst du dein Geld auf eine kreativere Art und Weise verdienen. Dein jetziger Job frisst dich auf, du kannst nicht mehr Lächeln und leidest unter dem Gefühl faltig gewordener Haut. Du bist zu alt um etwas neues anzufangen. Bist du das? Dein Konto ist gut gefüllt, du hast dir selbst ein kleines Polster geschaffen um aus deiner Komfortzone auszubrechen. Such dir den Job den du machen willst und dann leb ihn mit jeder Zelle deines Körpers! Du wirst jeden Morgen in den Spiegel grinsen und in deiner Haut wirst du dich wieder jung fühlen. Entpuppt sich deine Leidenschaft als falsch gewählt, orientier dich neu. ||| Hey du! Wolltest du nicht mal Musiker werden? Du hast in deinem Leben schon viele Songs geschrieben, verfügst über das Equipment das alles in akzeptabler Qualität aufzunehmen, aber bist du schon mal mit einem einzigen Ton in die Öffentlichkeit gegangen? Weiß ein Mensch der in der Hinsicht was zu sagen hat, dass du Musik machst? Nein, du wechselst lieber perspektivlos den Studiengang ein paar Mal und verpackst deine Frustration weiter in Lieder, die nie jemand hören wird. Du bist der Schreiber dieses verfickten Blogs und solltest wissen was zu tun ist!)

Wir alle sind extra kleine Knospen und viele von uns werden verdorren ohne vorher jemals aufgegangen zu sein, um anderen mit ihrer Blütenpracht ein extra großes Lächeln ins Gesicht zu zaubern … denn wir geben uns alle ja schon mit einem extra kleinen, nach unten verlaufenden Wichsfleck auf einer Baumrinde zufrieden. Hört auf Bäume mit eurem Samen zu begießen, wir müssen selbst gegossen werden! Manch einem reicht ein kurzes Fingertauchen ins Weihwasserbecken. Ein anderer muss nur mal kräftig den Kopf gewaschen bekommen. Mich muss man fast ertränken, mit einer Stacheldrahtschlaufe am Hals ins Trockene ziehen und mit Stampftritten in den Brustkorb wiederbeleben. Liebe als Gabe ist unser Dünger, also drauf geschissen. Ich will keine Angst mehr vor dem Tod haben, nur weil ich denke meine Lebenszeit zu verschwenden.

Gesagt, getan?

 

Break the cycle, find your rhythm
Share the gift that you’ve been given

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