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Die Sutura frontalis beim Denken mit den Daumen eindrücken…

Dienstag, 2. Juni 2009 | Autor: Roger B. Nigk

Mein Name ist Roger Buscapé Nigk. Ich bin das arschgefickte Stück eines vergrätzten Ganzen. Der Parasit in einem erbärmlichen Körper. Durch die verschiedensten Wurmlöcher betrachte ich die Außenwelt. Mich ekelt vieles an, was ich sehen muss. Ich ekle viele an, die mich sehen müssen. Welche Ehre … der Teil eines Menschen sein, der kaputter ohnehin nicht sein könnte.

Sein Gehirn wird ab und an von mir gesteuert. Er macht und sagt die bescheuertsten Dinge sobald ich am Ruder steh. Von mir befallene Gedanken bluten ausgesprochen auf der Straße und zucken wie halbtote Marmorkarpfen an Land. Dann ist Stille, die Stille bei der man überlegen möchte, was man als nächstes schreibt, sagt oder tut, aber keinen wirklichen Gedanken dazu fassen kann. Das ist Roger Nigk.

Er spricht von sich gerne in der dritten Person. Er zerfrisst seinen Wirt von innen und defäkiert in sein Herz, was ja eigentlich sein eigenes ist. Was ein perverser Kreislauf. Autoaggression kann die unglaublichsten Formen annehmen. Ich will mich, ihn, es und alles was das ICH ist zerschinden bis keiner mehr erkennt, was vom alten ICH noch vorhanden ist. Eine intrakranielle Implosion soll der Ausgangspunkt für das Neue sein. Die Arme werden seitenverkehrt an die Schulterblätter geheftet. Beine kommen an die Brust. Und so renne ich mit dem eingefallenen Kopf durch jede Wand, die sich mir in den Weg stellt. Ab jetzt steht nichts mehr still. Ich werde rücksichtslos und ficke alles weg. Ohne Rücksicht auf das dämliche ICH. Bei all der Selbstzerstörung und Wut jedoch niemals aufhören Liebe in die Welt zu tragen. Manch einer versteht das nicht.

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French Kiss

Donnerstag, 9. April 2009 | Autor: Roger B. Nigk

Was macht man als passionierter Blogger kurz nach Mitternacht wenn die Porno-Streams zu langsam laden? Man schreibt einen Blog-Beitrag. Ernsthaft, wäre meine Internet-Verbindung nicht so grottenschlecht und die Porno-Seiten auf denen ich abhäng nicht so gut besucht, gäbe es hier keinen einzigen Blog-Beitrag.

Ich bin ja nun seit einigen Wochen wieder berufstätig, zwar nur als Praktikant, aber immerhin. Da gehen mir natürlich wieder eine Menge Fragen durch den Kopf. Diese Fragen tun das mit dreckigen Fußballschuhen. Die wischen sie sich am Frontallappen meines Gehirns ab. Seitdem fühl ich mich wie ein an Morbus Pick erkrankter Schiffschaukelbremser: Vollkommen verwahrlost, ohne Antrieb und Lust auf irgendwas. Hans-Jörg Butt hatte die Stollen nur im Gesicht, sagte mir die BILD-Zeitung. Ich spüre die Spitzen großflächig auf der käsigen Oberfläche meines Denkorgans verteilt. Und so stapfen sie weiter durch meinen Schädel. Stipf – Stapf – Stopf – durch den Kopf. Meine Hirnhaut muss ausschauen wie die Bettbezüge in einem Raucherpuff. Total durchlöchert.

Diese Fragen beschäftigen mich den ganzen Tag. Ich kann kaum arbeiten weil ich so sehr bemüht bin mir selbst Antworten zu geben. Was macht ein französischer Hardcore-Stripper wenn er auf einem Junggesellinnenabschied vor 59 gewaltbereiten Frauen einfach keinen hochbekommt? Die eine Hälfte knackt schon mit den Fingerknochen und die andere lacht ihn aus, weil er einen kleinen Blutpenis hat, der sich erst steif in voller Größe zeigt. Wie geht er vor um nicht sein Gesicht oder unter Umständen sogar sein Leben zu verlieren? Klemmt er sich ein Baguette zwischen die Beine? Und was macht er wenn die Hässlichste von ihnen immer wieder auf die Bühne hüpft und in die schlaffe Wurstbeilage des Baguettes beißen will? Darf er ihr dann ins Gesicht schlagen? Falls ja, nur mit dem Penis oder sind auch Distanz-gewährende Fußtritte erlaubt? Oder noch schlimmer: Was ist wenn er die Perle unter den Kackbrocken gefunden hat, nach kurzem Gewichse einen strammen Ständer bekommt, diese Perle sich aber nicht den BH ausziehen lassen möchte!? Ich würde sie von der Bühne “stoßen”, mitten rein in das feuchte Etwas der Hässlichsten, das weit aufgespreizt einen übelriechenden Gestank im Raum verbreitet. Apropos Gestank: Was passiert wenn dem Stripper ein lauter Furz entfleucht? Vielleicht noch ein Feuchter, voll ins Gesicht der zukünftigen Braut, die gerade mit der Zunge “Ich liebe dich!” in und um seine Rosette schreibt. So ein Alleinunterhalter hat’s echt schwer! Da sind mir die letzten Wochen in denen ich mich über meine Arbeit beschwert habe echt peinlich. Könnte ich all mein Wehklagen nur zurücknehmen! Is’ einfach so: Kennt man jemanden dem’s noch viel beschissener geht, hält man lieber die Klappe bevor man kapiert dass man doch nicht so schlecht dran ist wie man tut.

(überlegt mal wie Scheiße es dem Stripper gehen muss wenn er seine Erektion einfach nicht lange halten kann oder wenn er viel zu früh abspritzt und ein kleiner süßer Yorkshire-Terrier dadurch sein Augenlicht verliert … will gar nicht dran denken …)

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“Wie du mir so do mie” – Oliver Olusegun Otubanjo

Dienstag, 24. Februar 2009 | Autor: Roger B. Nigk

Was bin ich für ein Kameradenschwein. Da gibt es doch wirklich Leute die mich irgendwie gern haben, mich sehen wollen, mit mir reden wollen, mir SMS/eMails/Briefe schreiben, mir Grüße ausrichten lassen und fast schon danach betteln, dass ich endlich mal wieder ein Lebenszeichen von mir gebe … und was mach ich? Falte die Hände und dreh Däumchen.

Sind alles wirklich nette Menschen, das muss ich schon sagen. Es mag Leute geben die vor Glück weinen würden, dürften sie nur einen von diesen Menschen einen Freund nennen. Vielleicht bist du jemand er so einen Freund braucht. Vielleicht bist du jemand der so ein Freund ist.

Ein paar von diesen Menschen kenne ich nicht wirklich, aber sie wollen mich kennen lernen und sind so unglaublich freundlich, dass man nicht im Traum daran denken könnte, einmal von ihnen ausgenutzt zu werden. Einige kenne ich schon länger, vielleicht aus der Schule oder von meiner Zeit in stickigen Proberäumen. Die meisten kenne ich schon sehr sehr lange. Man hat viele Nachmittage und Abende miteinander verbracht. Man hatte großen Spaß und manches Mal Tränen in den Augen weil man sich so gut fühlte…

Jetzt mach ich mich so rar es nur geht, werde zum nächtlichen Schatten und bin selbst um Wind zu sein viel zu leise. Das letzte Mal als ich derartiges getan habe war, als mein Freundeskreis anfing Drogen zu nehmen und jeder einzelne die Kontrolle über sich selbst verlor. Nicht zählbar wie oft ich versuchte ihnen ins Gewissen zu reden aber nichts ging. Da kann man einfach nicht mehr bleiben, außer man ist abgebrüht genug sich daran aufzugeilen wie Menschen die man liebt sich mit Drogen die imaginären Haare vom Gehirn rasieren. Aber was ist jetzt? Meine jetzigen Freunden nehmen keine Drogen. Halt! Der ein oder andere nimmt schon was, doch das kann man gerade noch ohne schlecht zu träumen mit ansehen.

Ich kann nicht sagen warum ich so viele unbeantwortete eMails im Posteingang habe (ich klicke ein bisschen rum und da steht eine aus dem Monat Januar 2007, ist aber sicher nicht die älteste). Wann soll ich mich hinsetzen und Freunden/Bekannten antworten? Während ich das hier schreibe? Einfach aufhören ständig Scheiße im Internet zu fabrizieren und wieder sozial sein? Nö. Pornographisch gibt es im Internet einfach viiiiiiiiel zu viel zu entdecken. Kaum denkt man laut vor sich hin “So, jetz hab ich alles gesehen und kann wieder raus an die frische Luft.” kommt der nächste kranke Mist der zwar mit geilen Fotzen zu tun hat, dir aber den Schwanz so schnell einstürzen lässt, dass du den Gummi deiner Unterhose zurückschnalzen hörst. Ist für mich stets eine neue Herausforderung auf Videos abzuspritzen bei denen sich die Hoden der härtesten Sodomisten zitternd im Bauchraum verstecken würden (nein, nicht diese 2 Girls 1 Cup Kinderkacke, das is was für Weicheier). Und dann muss man bei diesem zeitraubenden Unterhaltungsangebot noch versuchen einen Job zu kriegen! Wie soll man das schaffen? Vor allem wenn man beim ersten Probetag mehr Zeit mit Porno-Livestreams als mit Telefonnummernrecherche verbringt. Macht nix. Hab noch woanders ‘nen Probetag und so ‘n ständig dazwischenfunkender Penis lässt sich doch sicherlich mit NATO-Draht abbinden, oder nicht?

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Wie Thanatos Freuds Arschloch deflorierte

Montag, 21. Juli 2008 | Autor: Roger B. Nigk

Bleib ich so wie ich mich grad fühle, werde ich magersüchtig. Kein Hunger. Zumindest noch. Keine Lust etwas zu essen und bleibt das so, werde ich magersüchtig. Für immer.

Ich hätte große Lust all meine Stunden im Fitnessraum meines Onkels und den Mehrverbrauch an Nahrung im Rahmen des Muskelaufbaus einfach so verpuffen zu lassen. Ich will die über Jahre hart erkämpften Kilos wieder loswerden. Weg damit. Ich will an meinen Ursprung zurück. Zurück zu dem, was die Natur ohne mein Zutun für mich gewollt hätte. Ich will dass alles was ich in meinem Leben getan und geleistet habe nutzlos wird, wenn es das noch nicht ist. Dieses innere Jucken möchte ich wegkratzen, meinen ganzen Körper ausschaben und jedes Organ, jeden Zentimeter Gewebe den ich nicht brauche, laut brüllend aus dem Fenster werfen. Hunde sollen fressen wovon ich mich trenne: Niere, Hoden, Blinddarm, Mandeln, Harn, Fäzes, Tränen, Freunde, Verwandte, Bekannte, Schule, Geld, Gesundheit …

Ich möchte etwas kaputtmachen. Was könnte da näher liegen als ich selbst. Das wird ein großartiges Selbstexperiment! Alles unterlassen was zu unterlassen möglich ist ohne sich auf der Stelle umbringen zu müssen. Essen, trinken, bewegen, sprechen, waschen, blinzeln. Im Zimmer einsperren. Wird schon keiner merken dass ich weg bin. Falls doch, mir egal, denn ich hab den Schlüssel. Ich machs wie mein ehemaliger Schulkamerad heute, der schon seit Monaten mit seiner Frustration zu kämpfen hat: In Klausur gehen, rumheulen, sich schneiden, im Selbstgespräch schlimme Worte an sein nutzloses Leben richten. Hunger hab ich. Durst hab ich. Nur Lust, die hab ich nicht.

“Ich habe sie immer gefürchtet; was man auch dagegen tut: ihre Verwitterung. Überhaupt der ganze Mensch! – als Konstruktion möglich, aber das Material ist verfehlt: Fleisch ist kein Material, sondern ein Fluch.”
- aus homo faber. ein Bericht (Max Frisch)

Thema: In sich gekehrt, Weichei-Wehwehchen, crackbrained | Ein Kommentar

Bus-Brawl

Dienstag, 1. Juli 2008 | Autor: Roger B. Nigk

Habe heute eine Schlägerei mit einem Busfahrer angefangen. Ich muss ihn gewaltig überrascht haben, denn er hatte nicht im geringsten damit gerechnet. Erst als mein spitzer Ellbogen ihm seine Sonnenbrille wuchtig ins Gehirn schlug reagierte er, mehr oder weniger bewusst.

Ein trauriger Kampf. Ich hatte mir mehr erhofft. Mehr Prügel, mehr Hämatome, mehr Frakturen, mehr Platzwunden, stattdessen nur zahlreiche Tränen und kleinere Abschürfungen. Meine offene Claviculafraktur macht sich dennoch nicht schlecht neben seiner Bauchschnittartigen Wunde durch einen Tritt in seine Rippen. Wie das befreit, sich zu kloppen.

Ich lief dem wegfahrenden Bus hinterher und verfolgte ihn bis zu einer roten Ampel. Er war zu früh losgefahren, eindeutig zu früh. Der Busfahrer unterhielt sich mit drei Mädchen, die neben ihm standen. Ich klopfte an die geschlossene Tür und lächelte ihn freundlich an. Er sah zurück aber machte keinen Mucks. Die Mädels waren Empfänger seiner vollen Aufmerksamkeit. Ich klopfte nochmal, lächelte immer noch freundlich. Er rollte mit den Augen (im Nachhinein denke ich, dass er von den Mädels so genervt war). Eine ältere Frau, die neben mir auf einen anderen Bus wartete, sagte, ich solle mich etwas lauter bemerkbar machen. Ich antwortete dass er mich durchaus schon bemerkt hat.

Kurz bevor grün wurde ging dann die Tür auf. Zuerst verließen zu meiner Überraschung die drei Mädchen den Bus. Eine brabbelte vor sich hin “Gut dass wir nochmal gefragt haben, sonst wären wir voll in der Pampa rumgefahren.” Aha, haben wohl den falschen Bus genommen. Ich gehe in den für mich richtigen Bus, grüße den Fahrer freundlich und frage witzelnd ob ich zu spät käme. Kein Mucks seinerseits. Ich bedanke mich kurz für das Türöffnen und fasse mir einen Platz ins Auge, da drückt dieser Penner auf’s Gas und ich falle nach vorne. Nicht falsch verstehen, ich kenne den Kerl. Zu jedem ist er freundlich. Jeden grüßt er. Mich nicht, obwohl ich mich stets höflich gegenüber ihm verhalte. Also erhob ich mich von meiner unwürdigen Position im Bus und nutzte die Physik einer Rechtskurve aus um ihn einen saftigen Ellenbogencheck zu verpassen. Wild schreiende Schulkinder bespuckte ich mit meinem Blut. Die Polizei im Anschluss auch. Entspannender Tag heute. Ob er im Nahkampf meinen Ständer gespürt hat?

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I think I’m rotting on the inside

Dienstag, 17. Juni 2008 | Autor: Roger B. Nigk

Es geht bergab mit mir. Ich bin krank, weiß aber nicht was ich habe. Ich weiß nur dass ich daran sterben muss. Jetzt oder später. Unter Schmerzen geh ich aber erstmal aufs Klo bevor ich hier weiterschreib.

Knapp zwei Stunden später sitze ich nun wieder vor dem Laptop, die Hände noch immer nicht ganz sauber, trotz Einsatz einer Zahnbürste, einem zweiseitigen Schwamm und Putzwolle. Ich bin wirklich krank. Soeben Hämatochezie und Meläna gleichzeitig gehabt. Konnte nicht aufhören daran zu riechen als ich mit zittrigen Fingern versuchte 19 cm herrausstehende Analschleimhaut (Rektumprolaps) reinzustopfen. So muss der Tod unter den Armen riechen.

Es geht bergab. Davor aber erst mal bergauf vom Arsch zum Ohr. Mancher von euch weiß dass ich auf dem rechten Ohr nicht gut hören kann. Mein linkes Ohr zieht nun nach. Etwas abzessartiges legt sich vor meinen Ohrkanal wie der Stein vor Jesus’ Grabhöhle. Tut im einen Moment weh, dann wieder nicht. Habe diese Entzündung gestern früh ganz vergessen und mit einem harten Waschlappen reingehobelt. Aus dem Ohr laufendes Blut fühlte sich an wie eine Ohrenschmalz-Ejakulation. War schwierig vor dem zur Schule gehen die verkrustete Ohrmuschel mit Ohrstäbchen zu reinigen. Oma musste helfen.

Bekomme kahle Stellen im Bart die nicht mehr nachwachsen. Was hab ich lange gewartet bis endlich der erste Goatee möglich war! Und jetzt kratzen mich nachts die ausgegangen Bartstoppeln mehr als die heraustechenden Federspitzen aus meinem Kissen. Würden mir im Tausch dazu die Haare nur am Arschloch ausgehen, was wär ich glücklich. Das Arschloch juckt mir seit einigen Monaten wie verrückt. Zwischen After und Hodensack ist ein klitoresker Pickel, der mich vor allem im Bett in den Wahnsinn treibt! Heute Nacht die Theorie aufgestellt dass zu lange Arschhaare Ursache für das Jucken sind und gleich versucht das mit einer unhandlichen Küchenschere zu ändern. Muss lustig ausgesehen haben, ich mit Schere in gebückter Haltung mit dem Kopf zwischen den Beinen. War verfickt schwer mit schmerzenden Rücken, aber auf den komm ich später zu sprechen.

Zeigefinger der rechten Hand ist ein wenig steif. Gut dass ich mit dem an der Gitarre keine Akkorde greif. Beim schreiben stört’s mich trotzdem. Der Arzt sagt das wäre ein Wichskrampf. Da könnte er recht haben.

Wenn ich schon mal wieder beim Wichsen angekommen bin: Hab 11 rote Punkte auf der Eichel die beim urinieren nässend aufplatzen. Eichelkranz ist wund und brennt bei jeder Erektion. Blutkrusten an der Vorhaut haben sich gelöst, rätsel aber immer noch woher die gekommen sind. Obwohl, ich weiß es bereits. Wie dem auch sei, ich darf euch wieder zu einer neuen Runde “Wichsverbot” einladen. Und das bedeutet wiederum, dass ich in den nächsten Tagen öfters Blog-Beiträge schreiben werde.

Der rechte Fußrücken ist angeschwollen. Sieht aus wie eine implantierte Halbkugel im Golfball-Maßstab. So fühlt es sich übrigens auch an. Jeder Schritt ein Handicap. Der Fuß braucht Ruhe, doch die kann ich ihm nicht geben. Zur Schule muss ich oft lange Wege hinter mich bringen. Aber nicht ganz so lange wie zur Freundin. Die hab ich heute mal wieder sitzengelassen. Wir waren zur gemeinsamen Hinfahrt verabredet. Sie Uni, ich zur angrenzenden FH. Gleicher Bus, gleicher Weg. Nachdem ich mich unter großer Mühe aus dem Bett gekämpft hatte, schrieb ich ihr eine SMS:

“Mi vida, ich kann nicht kommen. Hab mir gestern den Rücken nur ein wenig gezerrt, is aber über Nacht schlimmer geworden. Kann nicht gehn, sticht zu sehr :)

In ihrer Antwort schrieb sie mir, dass sie den Bus verpasst hatte. Bei ihr laufen anscheinend auch einige Dinge schief bzw. ungünstig, aber dafür kann sie nichts, im Gegensatz zu mir.

Bevor ich jetzt noch anfange ausgiebig über meinen defekten Schluckapparat und gelegentlich auftretende Röchelatmung zu schreiben, möchte ich euch nur sagen dass es mir eigentlich ganz gut geht. Ich kann mich selbst spüren! Da tut’s weh, da juckt’s, da brennt’s, da sticht’s und an der Stelle ist mir der Kopf kribbelig eingeschlafen. Nur die Zehen spür ich nicht mehr. Aber das ist okay! Ich hab mein Arschloch voll stressiger Arbeit und tu nichts um diesen riesigen Haufen Dreck abzuarbeiten. Das ist nicht okay! Zumindest weiß ich dass das nicht okay ist. Könnte man als einen gelungenen Anfang definieren, nicht? Dann fang ich mal an, kurz bevor ich abtrete…

“Crisis – Different Ways of Decay” (schon mal im alten Blog gepostet aber passt grad so gut)

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Sleepy Head

Dienstag, 20. Mai 2008 | Autor: Roger B. Nigk

Kopfweh weckt mich. 7 Uhr und 17 Minuten. SHIT, VERSCHLAFEN! Seit 17 Minuten sitzt meine Freundin im Bus, vermutlich neben einem leeren Sitzplatz, den eigentlich mein dürrer Hintern ausfüllen müsste. Warum ging der beschissene Wecker nicht? Hm, das Plastikding scheint bis auf sein bescheuertes Aussehen ganz in Ordnung zu sein. Aber ich hab ihn doch vor dem zu Bett gehen noch gestellt. Hab ich mir das nur eingebildet? Ich könnte mein rechtes Ei drauf verwetten, dass ich gestern einen TIMER-Knopf gedrückt hätte…
In knapp zehn Stunden werde ich erfahren, dass der Videorekorder meiner Tante eine Arielle-Kassette mit dem stinklangweiligen SAT-1-Frühstücksfernsehen überspielt hat. Minuten später werde ich meiner weinenden Cousine (6 oder 7 Jahre alt) erklären müssen, dass ich ihren Videorekorder mit meinem Wecker verwechselte, obwohl der in einem Wohnzimmer zwei Straßen weiter steht. Und dabei war ich doch gestern gar nicht bei meiner Tante. Zumindest weiß ich davon nichts.

Aus meinem Bett schreibe ich kurz nach dem Wachwerden zwei SMS. Eine an meine Freudin:

“Lieg noch im Bett. Das nennt man dann wohl extrem verschlafen, tut mir Leid. Viel Erfolg bei der Klausur…”

Die zweite an einen Kommilitonen:

“So wie’s aussieht brauchst mir keinen Platz freihalten. Werd mich übelst verspäten. Hatte ne unruhige Nacht. Davon geträumt dass mir n Messer den Halsschlagaderpuls massiern will. Um 3 nachts mit nem verbotenem Balisong in da Hand aufgewacht. Weiß nicht wem’s gehört oda wo zum Teufel ich das herhab”

Letztere SMS hat mich übrigens so viel wie zwei SMS gekostet. Hat mich sehr geärgert, aber was sollte ich tun? Irgendjemanden musste ich mich anvertrauen.

Mit knackenden Knochen aufgestanden und Frühstück gemacht, aber nichts gegessen. Danach ins Bad. Vor dem Spiegel eingeschlafen. Auf dem Boden mit Blick zum Klo unter verstärkten Kopfschmerzen aufgewacht. Leicht zitternd zum Nachtkästchen gegangen und Balisong rausgeholt.

Im Bus zum Hauptbahnhof weggenickt, bis eine kleine Tussi sich telefonierend in die letzte Reihe neben mich setzt. “Ja, okeh … hmhm … ja, okeh … ja? okeh … hmhm … okeh … ja, okeh …” Kopfweh, “… ja, okeh … hmhm … ja … ja, okeh … “ Ich starre sie böse an, “… ja, okeh … ja, okeh … hmhm … ja, okeh …” Ich denke dass sie auflegen oder sterben soll, “… ja okeh … ich freu mich.” Sie legt auf und fängt an eine SMS zu tippen. Ihr Tastendrücken ist zu nervig als dass ich weiterschlafen könnte. Ich kann die Tasten förmlich hören: 52 0 6534 0 52 0 6534 0 52 0 6534 …

Am Hauptbahnhof mit wunden Augen angekommen merke ich, dass ich die ganze Fahrt über wohl das offene Balisong in der Hand gehalten haben muss und werfe es in den Mülleimer der nächsten Haltestelle an der ich vorbeikomme. Nach einigen anstrengenden Schritten warte ich auf den einen Bus, der mich schnellstmöglich zur Fachhochschule bringen kann. Zu müde um einer laut zwinkernden Studenten-Nutte im Minirock böse hinterherzuschauen.

Der Busfahrer regt sich über die Studenten auf, die zu blöd sind um sich von der automatisch schließenden Bustür wegzubewegen, damit diese sich automatisch schließen kann. Ich frage den Busfahrer mit rauer Stimme warum er nicht einfach mit offener Tür losfährt. Er überhört mich und regt sich weiter auf. Die Tür geht zu! Bevor sie sich allerdings richtig schließen kann, löst irgendein Studentenarschloch von innen wieder den Bewegungsmelder aus und die Tür steht wieder lange Zeit offen. So geht das an jeder Haltestelle, weswegen die Busfahrt sich zeitlich quälend in die Länge zieht. Ich halte mich an einer gelben Stange fest. Eine Studentin tritt mir auf den Fuß. Dafür lange ich ihr ins Ohr, als ich bei der Arbeitsamt-Haltestelle den Stopp-Knopf für eine dicke Frau drücken muss, die übersehen hat, dass gleich neben ihrer Hand derselbe Knopf angebracht ist. Wenigstens lächelt sie freundlich zum Dank.

Die Türen schließen wieder nicht. Der Bus ist einfach zu verfickt voll. Ich höre wie der Busfahrer flucht. Neben mir unterhalten sich zwei Hippies über Nutzhanf. Im hinteren Abteil des Busses bellt ein Hund. In meinem Dämmerzustand quellen Schwämme in meinem Gehörgang auf und drehen wie an einem Mischpult das Treble aus dem Mix. Bald höre ich gar nichts mehr. Kurz bevor ich im Stehen einschlafe klingelt mein Handy. Ich drücke meinen Handrücken gegen die Poritze einer Dreadlock-Tussi um ans Handy in meiner linken Tasche zu kommen.

“Hab deine SMS bekommen. Bist du schon unterwegs?”

Bin zu müde um etwas zu sagen. Mein halbvoller Rucksack zieht mich nach unten. Sogar das Handy ist mir fast schon zu schwer.

“Hey, schläfst du noch? Wo bist du?”

Benommen von starker Müdigkeit halte ich dem Busfahrer mein Handy vors schimpfende Maul und lasse ihn für mich antworten.

“Bist du noch dran? Wer war das? Jetzt hör mal, wo treffen wir uns? Wir haben ‘ne Menge zu tun heute. Hättest in der Vorlesung sein sollen, das war heut verdammt wichtig. Ich versuch’s dir später zu erklären. Bin in der Mensa.”

Beim Aussteigen bleibe ich zwischen Bus und Bordstein stecken und falle hin. Die Dreadlock-Tussi hilft mir wortlos auf. Sie stinkt nach Gras. Nach zehn Schritten falle ich wieder hin. Rasta-Resi, die mich schon lange überholt hat, bemerkt das und möchte nochmal auf mich zugehen. Ich winke sie weg. Schon bevor ich das FH-Gebäude betrete, sehe ich durch ein Fenster meinen Studentenfreund.

Das nächste an was ich mich erinnern kann ist, dass wir beide auf den Aufzug zugehen. Er drückt auf 5. Während der Fahrt schlafe ich ein, er merkt es aber nicht, weil ich mich recht stabil an die Wand gelehnt habe. Als die Tür aufgeht erschrecke ich. Im Computerraum schlafe ich wieder ein.

Ich wache erst wieder in einem Hörsaal auf, weil jemand seine Schreibablage am Sitzplatz scheppernd rauszieht. Rechts neben mir sitzt jemand, ich will aber nicht wissen wer. Links sitzt mein Kumpel. Meine Augen fallen zu. “Nicht schlafen!”, sagt der Rechte und stuppst mich mit dem Ellbogen an. Dabei muss er ein freundliches Gesicht gemacht haben, trotzdem wollte ich es ihm eintreten, dafür dass er mich geweckt hat. Ich mag Menschen … nur nicht wenn ich müde bin. Ich beachte den Typen nicht ein einziges Mal. Nach ein paar Minuten steht er auf und setzt sich woanders hin.

Der Mathe-Dozent betritt den Hörsaal. Mein Genick verliert jegliche Spannung. Ein tausendstel einer Sekunde bevor ich mir den Kopf an meiner noch zugeklappten Schreibablage einbeule, wache ich auf. Ich hasse das wenn ich so die Kontrolle über meinem Körper verliere. Manchmal rede ich laut im Schlaf. Was wenn mir das in einer gut besuchten Vorlesung passiert? Was wenn ich von meinem Platz falle? Oder noch schlimmer! Was wenn ich im Schlaf erbreche und daran ersticke?

Wieder schlaf ich ein. Diesmal werde ich von links wachgeschubst. “Nicht schlafen! Pass lieber auf, das ist verdammt wichtig.” Schlafentzugsstudien behaupten, dass man schon nach 24 Stunden Schlaflosigkeit leicht reizbar sei. Bei mir sind es noch nicht mal fünf und dennoch werde ich wütend. Mein Puls rast. Jeder Schlag spürbar in meinem schmerzenden Schädel. “Nicht schlafen”, das ist das erste was man zu einem müden Depressiven sagt. Oder es ist das erste was man als solcher zu hören bekommt, bevor man überhaupt weiß wer zum Fick da ungefragt mit einem spricht. Einer fragt ob wir Lust hätten nach der Vorlesung in seinem Cabrio zum Hauptbahnhof gefahren zu werden. Ich mag den Kerl, lehne aber vielleicht auch deswegen nichtdankend ab.

Die Vorlesung endet zehn Minuten vor dem offiziellen Schluss. Ich nutze die Zeit und geh aufs Klo. Vor dem Pissoir schlafe ich wieder ein und stoße mir mit offener Hose den Kopf an der Kachelwand vor mir. Mein Nachbarspisser sagt “Nicht einschlafen, Kumpel.” Ich würde ihm gerne in die Fresse pissen, wäre ich nur nicht zu müde zum zielen. Die Putzfrau wird mich verfluchen. Meine frisch gewaschene Jeans auch, wenn sie’s könnte.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle draußen vor der FH, falle ich wieder hin. Dreadlock-Tussi ist nicht da um mir aufzuhelfen. Zu gern hätte ich ihr gesagt dass sie sich um ihren eigenen Scheiß kümmern und ihre Bong ficken gehen soll. Hilfsbereite Menschen gehen mir einfach auf den Sack, wenn’s mir schlecht geht. Natürlich wollen sie einem nur helfen wenn sie dir sagen dass du nicht einschlafen sollst oder wenn sie dich unaufgefordert vom Boden aufheben… Sorry, aber was verfickte Scheiße läuft bloß falsch bei denen? Würden sie einem verblutenden auch die lebensnotwendige Bluttransfusion verwehren? Lasst schlafen was schläft!

Im Bus wieder eingenickt. Zu spät ausgestiegen. Hingefallen. Von niemanden gestört kurz liegen bleiben können. Zuhause plötzlich zwei Messer gefunden die keinem gehören. Zwei Faustmesser. Hatte plötzlich Lust meinen Kopf auf den Fäusten abzustützen und mir endlich den Schlaf zu holen den ich so bitter benötige. Schlafen und als neuer Mensch aufwachen.

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