green’n'grey

Freitag, 27. Februar 2009 |  Autor: Roger B. Nigk

Heute hat ein Augenarzt den grauen UND grünen Star bei meiner Oma diagnostiziert. Man könnte sich wieder langatmig aufregen über dies und jenes, vor allem aber über meine Oma die das Leben mit ihren fast 80 Jahren noch immer nicht begriffen hat oder es begriffen hat und das alles mit Resignation quittiert. Ich frag mich halt nur ab wann alte Menschen für Ärzte nicht mehr rentabel sind und deshalb nicht richtig behandelt werden. Es muss irgendeine verfickte Formel geben in die jeder Patient ab 60 über irgendwelche speziellen Werte eingesetzt wird. Ist das Ergebnis am Ende negativ macht man nur Dienst nach Vorschrift um rechtlich nicht angreifbar zu sein. Ob der Patient gesund wird ist scheißegal weil man mit 60 schon lang genug gelebt hat. So kommt’s mir vor und so scheint es zu sein.

Das Problem das ich habe ist mein Hannoveraufenthalt in der gesamten nächsten Woche. Jemand muss sich um sie kümmern, am besten alle abwechselnd, doch ich weiß jetzt schon dass dies nicht in dem benötigten Umfang geschehen wird.

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Thema: Allgemein

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4 Kommentare

  1. Auch ohne ein hohes Alter erreicht zu haben, ist es ein Glücksspiel, ob man an verantwortungsvolle Ärzte gerät. Die einzige weitestgehend sichere Möglichkeit ist wahrscheinlich nur ein volles Portemonnai.

  2. 2
    Roger B. Nigk 

    Die Routine scheint mir Segen und Fluch zugleich. Routine z. B. bei Katarakt-OP’s ist Segen weil sie die Fehleranfälligkeit verringert. Gefährlich wird die Routine insofern, dass “routinierte” Ärzte schon Diagnosen im Kopf fällen bevor der Patient überhaupt ausgesprochen hat. Der Patient wird statt als Individuum vielmehr als Rohstoff angesehen den man nur schnellstmöglich irgendwo einschachteln muss. “Fertig, der Nächste bitte.”
    Was mich auch stört ist dass Ärzte die Psychosomatik gerne verdrängen. Sie sollen nicht zu eierlegenden Wollmilchsäuen werden die wirklich alles beherrschen. Sie sollen nur etwas empfindsamer gegenüber jedem einzelnen Patienten sein und sich Einfühlungsvermögen bewahren, trotz täglicher Routine. Da fehlt es nicht an Zeit oder Können, sondern eher an etwas dass ich vorsichtig Patientenliebe nennen möchte. Natürlich muss man als Arzt emotional distanziert bleiben und darf sich nicht alles zu sehr zu Herzen nehmen, sonst dreht man bei schlimmeren Schicksalen durch. Sich selbst nicht so wichtig nehmen, auf Augenhöhe kommunizieren und verdammt nochmal zuhören, das reicht. Siehe hierzu => http://de.wikipedia.org/wiki/Patient-Arzt-Beziehung#Gespr.C3.A4ch_Arzt-Patient

    Klar kann ich gut reden, ich bin kein Arzt und der Scheiß ist ein Knochenjob, bloß hat doch jeder die Freiheit dazu den Beruf zu erlernen den er möchte. Kann man nicht mit Menschen umgehen, sollte man auch kein Arzt werden, Fachkenntnisse hin oder her. Klingt asozial, is aber meine Meinung.

  3. 3
    Roger B. Nigk 

    Ich vergaß: Was Portemonnaie angeht so bin ich neugierig wie signifikant die Annäherung an amerikanische Verhältnisse in baldiger Zukunft ausfallen wird.

  4. Sei gegrüßt! Du hast völlig recht. Nimmt man den Patienten nicht ernst, hat man als Arzt seinen Job verfehlt. War vor einiger Zeit auf einer Veranstaltung, die der gute Eckart von Hirschhausen vor Erstsemester-Medizinern gab und auch genau dies betonte. Er zeigte auch das berühmte Loriot-Video (http://www.youtube.com/watch?v=lg7NP_PKFtQ) als Beispiel für ein typisches Arzt/Patient-Gespräch. Operieren lernen die Mediziner, so Hirschhausen (der ja selbst Mediziner ist) recht schnell. Worauf es aber ankomme, sei vorallendingen dem Patienten zuzuhören, ihn ernst zu nehmen und Operationen nicht als das erste Mittel der Wahl zu betrachten. Leider muss nicht soziale Kompetenz nachgewiesen werden, um einen Medizin-Studienplatz zu erhalten. Das ist die Crux! Warum laufen viele Leute zu den Heilpraktikern? fragte Hirschhausen. Er gab eine Antwort, die auf derHand liegt: weil die ihnen zuhören!

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