Knight in White Satin Armor
Mittwoch, 24. September 2008 | Autor: Roger B. Nigk
Bin ich wieder krank geworden. Naja, nicht krank, aber ich leide mal wieder unter meinen Weicheiwehwehchen. Bauchschmerzen und das ständige Gefühl brechen zu müssen. Bitterer Speichel sammelt sich im Mund, man spuckt es aus, dann kommt der Würgreflex, die Speiseröhre und der Hals verkrampfen, aber nichts kommt hoch, sondern bleibt irgendwo in der Hälfte des Weges stecken um nach ein paar Schlucken Wasser wieder zäh nach unten zu gleiten. Die Scheiße pisst mich an. Es ist leicht zu erahnen dass ich wieder kräftig am rumjammern bin und mich von meiner Psyche ans Kreuz hängen lasse, damit der sterbende Kleinstadt-Jesus in mir wieder prächtig aufblühen kann, in den dunkelsten Farben versteht sich.
Als Frau ekelt man sich natürlich vor diesem wimmernden Haufen Elend. Besonders wenn man als Frau einen anderen Bezug zu Darmgeschichten hat. Was sie durchmachen musste ist wirklich nicht ohne und ich bewundere ihre Stärke und ihr Durchhaltevermögen. Ich wüsste nicht wie ich mit ihrer Krankheit zurechtkommen würde. Meine Bewunderung und mein Respekt ihr gegenüber sind immens. Wie dem auch sei, als Frau möchte man einen starken Führer an der Seite. Einen der alles im Griff hat, der alle Probleme wegwälzt damit die Frau sich nicht damit herumschlagen muss und aus ihrer Natur heraus leben kann, durch freie Ausströmung ihrer Liebe. Ich bilde mir ein, ein Mann von dieser Sorte sein zu können, in allen Lebenslagen. Meine ursprüngliche Lebensansicht wurde die letzten Jahre in ihrer Grundfeste erschüttert, ich sehe vieles nicht mehr so wie ich das einmal tat. Desillusioniert orientieren sich meine Augen neu. Das ist gut so, auch wenn mir viele der neuen Perspektiven sehr weh tun und das kleine Kind in mir nicht mehr aufhört laut zu weinen. Gott sei Dank steht über dem kleinen Kind ein erwachsener Roger, der stark genug ist nach jeder Hürde an Sprungkraft zuzulegen und das Leben in all seinen Facetten glorreich zu meistern. Das werde ich sie noch früh genug wissen lassen. Spätestens wenn wir in einigen Jahren ans Zusammenziehen denken. Bis dahin wird sie mich noch für ein verficktes Weichei halten weil ich mir einen Arzt an die Strippe geholt habe. Es war schon spät in der Nacht und mein Hausarzt hatte zufällig Notdienst. Hausbesuch stand für mich nicht zur Debatte, ich wollte mir nur telefonisch etwas gegen den Brechreiz geben lassen. Telefonsex mit einem Syphilisverseuchten Philologen hätte da auch gereicht, wär aber zu teuer geworden.
Meine Oma stand kurz vorm Durchdrehen. Anfangs meinte sie noch dass ich einen Nabelbruch hätte, dann kam sie auf den Blinddarm, ja ganz gewiss, der Blinddarm war’s und das is ja bekanntlich sehr gefährlich, daran kann man sterben und was ist wenn ich ins Krankenhaus muss. Ich sagte zu ihr, dass mir das egal sei. Es gehört dazu krank zu werden und es gibt Menschen die einem dann helfen können, wenn man es nur zulässt. Ich sagte ihr dass ich keine Angst hätte, wovor denn auch, ist ja schwachsinnig. Hat sie nicht wirklich beruhigt und dank ihrer durchaus kritischen Probleme mit dem Blutdruck in letzter Zeit, wurde ich nervöser je aufgeregter sie wurde. Also was tun? Arzt rufen. Das riet mir auch mein Vater als er mich sah. Wie oft mir Oma ins Gespräch rief, grauenhaft. Was mich durchaus freute ist, dass mein Arzt mich sehr ernst nahm. Letzten Endes kam mein Hausarzt zum Entschluss dass es eine Magen-Darm-Grippe sei. Die gehe zur Zeit um und er hätte in den letzten Tagen schon einige Fälle behandelt. Aha. Kann ich mir nicht vorstellen, aber egal. Sollte es nicht besser werden solle ich sofort am nächsten Tag, sobald er in der Praxis ist, zu ihm gehen, ohne Termin, er gebe den Krankenhelferinnen an der Rezeption bescheid, dass ich sofort drankomme. Bis dahin riet er mir zu einem pflanzlichen Arzneimittel, Standardmedikation bei Magen-Darm-Beschwerden.
Zur Apotheke gefahren die Nachtdienst hatte, nicht weit von daheim. 11 Euro 60 kostete mich der Dreck. Eine Telefonsex-Hotline nach Basel wäre doch die bessere Wahl gewesen. Vom spärlichen Restgeld Cola an der Tanke gekauft (auch vom Doc verschrieben) und auf dem Heimweg getrunken. Zuhause dann kräftig gereihert, durch Mund und Nase. Der erste Schwall ging in die Toilette. Mir hing noch einiges aus dem Zinken als ich ne Rolle Klopapier holte um mich zu schneuzen (die im Klo war leer). Kurz danach kam der nächste Schwall. Der dritte ereilte mich dann auf dem Weg zurück zur Schüssel. War nach den vielen Vorversuchen in denen nix kam schön sich mal richtig auszukotzen. Oma bestand darauf das wegzuwischen, denn ich wüsste ja nicht wie man das macht. “Ist das Blut?!”, fragte sie mich als sie vor meiner jüngsten Pfütze stand. Klar, kann schon sein, das Brechen war sehr anstrengend und auf dem Weg nach oben kann schon mal ein Äderchen mitgerissen werden. Ich sagte “Nö, das is Curry oder so.”, log ich. Was besseres viel mir auf die Schnelle nicht ein. “Du darfst nix Scharfes essen wenn du Probleme mit’m Darm hast!”
Packte die Tropfen aus. Hätte ich mir auch selbst verschrieben, aber zugegebenermaßen erst am nächsten Tag, nach einer sicherlich sehr langen Nacht. Mit den Tropfen war meine Nacht nicht ganz so anstrengend. Schlafen war schwer und ich musste mal wieder um halb fünf aufstehen weil Oma ihre Würgeanfälle bekam. Danach fühlt sie sich immer besonders sicher wenn ich im Wohnzimmer schlafe, während sie fernsieht. Erholsam ist das keinesfalls, aber wenn’s ihr dadurch besser geht, warum nicht.
Warum hatte ich jetzt Bauchschmerzen? Hab einen Verdacht. Übeltäter: Enge Unterhose! Richtig gelesen, eine zu enge Unterhose ist verdammt gefährlich. Ich rede nicht von “zu eng an den Eiern” sondern zu eng am Bauch. Ernsthaft, kauft euch die Unterhosen obenrum ein bisschen weiter. Ihr wollt doch nicht auch unter schlimmsten Schmerzen leiden, rumkotzen und die nächsten Tage nicht mehr scheißen können, oder? Begeht nicht meine Fehler. Dieser Blog ist dazu da euch dabei zu helfen. Heute ging es mir übrigens noch genauso schlecht wie gestern, nur der Brechreiz ist weg. Zum Arzt bin ich nicht, keinen Bock drauf.
Thema: Weichei-Wehwehchen | Ein Kommentar




