Let’s Marry, Mary!
Freitag, 8. August 2008 | Autor: Roger B. Nigk
01.01.01 – 02.02.2002 – 03.03.03 – 04.04.04 – 05.05.05 – 06.06.06 – 07.07.07 …
Zum ersten Mal bin ich wach genug oder muss nicht in der Schule abhängen um mit eigenen Augen zu sehen wie originell sich manche Menschen vorkommen weil sie sich an so nem 3er-Pasch-Datum das Ja-Wort geben. Nicht von mir angreifen lassen; wenn du heute geheiratet hast gratuliere ich dir natürlich aufrichtig. Du darfst jetzt deinen Ehepartner ficken ohne deinen scheiß Schädel noch tiefer in die Hölle zu bohren (sofern kirchlich vermählt).
Wie die achte biblische Plage ziehen sie übers Land: Frauen in Kostümen, Männer in Anzügen. Hier ne Braut, da ne Braut. Hier hochgepushte Titten, da hochgepushte Titten. Hier schreiende Blumenkinder, da weinende Blumenkinder. Überall Brautkleider. Ich bilde mir ein dass sogar mein Hausarzt eins trug.
Beschissene Nacht gehabt. Es rächt sich dass ich Onkel Dok bei meinen letzten zwei Besuchen nicht dazu zwang in meinen Hals zu schauen, denn was die letzten Tage brannte, ist jetzt verkohlt. Geschwollene Knoten am Hals, zwei schmerzende Beulen am Knochen zwischen Hinterkopf und Genick. Schlecht geht’s mir. Seit dem 24.07. bin ich nun mehr oder weniger krank. Geile Semesterferien. Musik wollte ich machen. Kurzgeschichten wollte ich schreiben. Einen Roman beenden. Freunde nach langer Stilleperiode mal wieder kontaktieren. Business-Sachen klären. Mit der Freundin verreisen. Alles muss hinten anstehen. Schade dass ich keine Podcast-Sendungen bringe, dann könntet ihr hören wie zerfigkt meine Kehle ist. Schlucken schmerzt.
“Wissen Sie Herr Doktor,” sage ich zu ihm ,“so richtig wehleidig bin ich ja nicht” und werde mit einem lauten Stoßlachen von ihm unterbrochen. Ich schaue ihn böse an. “Erzählen Sie weiter, Herr Nigk.”
“So richtig wehleidig bin ich ja nicht,” ich halte kurz inne und sehe wie er sich die Hand vor den grinsenden Mund hält, “aber ich kann nicht mehr schlucken. Wie soll ich essen oder trinken? Kann nicht mal meine beschissene Spucke runterwürgen.”, “Wie viel wiegen Sie inzwischen, Herr Nigk.” …
Er schaut sich meinen Hals an, leuchtet tief rein. Dann verlässt er den Raum und holt eine Schreibtischlampe mit der er mir noch mal reinleuchtet. “Die Batterie meines Leuchtstifts ist zu schwach, Herr Nigk.” Mit einem Holzstiel wie man ihn im Eis hat, drückt er meine Zunge runter. Dabei knarzt das Ding leise. Eine böse Erinnerung kommt in mir hoch. Ein früherer Arzt hat so ein Holzding mal in meinem Hals abgebrochen. Hätte es fast eingeatmet. Aber heute war ich cool. So zugeschwollen wie mein Maul ist, kann ein abgebrochenes Holzding nicht weit kommen. Tabletten verschreibt er mir, die ich natürlich nicht schlucken kann. Muss bis zwei Uhr warten bis meine Apotheke die Dinger hat. Vor mir steht eine angefangene Nudelsuppe die ich nicht aufessen werde. Zu meiner Oma sagte ich, dass ich mir meine Mahlzeiten in den nächsten Tagen von hinten zuführen werde um meinen Hals zu umgehen…
Wann ich heiraten werde, fragt ihr? Nicht an einem 3er-Pasch-Datum. Mein Hochzeitstag wird eine spezielle Bedeutung haben. Am 13.02.2032 werde ich sie zu meiner Frau machen. Ich werde Ende 40 sein und mich täglich über meine bisher vergeudete Lebenszeit beschweren. Es wird ein Freitag sein. Freitag der Dreizehnte. Aus Februar kann man das Wort “Bauerfr.” bilden, also Bauersfrau. Das bedeutet entweder dass sie eine Bäuerin ist oder ich ein Bauer und wir beide vielleicht einen Bauernhof haben werden. Das Jahr 2032 hat die Zahl 32 in sich. In der 32. Schwangerschaftswoche wurde ich geboren und 32 Tage maschinell beatmet. Und die 20 aus 2032 ist der umgedrehte Februar (“02″). Na? Das macht doch mal Sinn und ist nicht so ganz uninspiriert wie ihr 3er-Pasch-Pussys! Ich bin offline, scheiß auf alles.





Samstag, 9. August 2008
Und die Quersumme ist 7 – na, das ist doch was! Aber im ernst: mach dich nicht jeck! Es gibt so schon genug davon. Und das noch: eine Buchempfehlung und zwar für Stefan Zweig. Kauf dir mal was von ihm (vielleicht den Erzählband “Vierundzwanzig Stunden aus dem Leben einer Frau”), es ist kurzweilig und intensiv zugleich. wo hat man das schon?!