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Sich was reinpfeifen oder so

Sonntag, 17. August 2008 | Autor: Roger B. Nigk

Hab’s versäumt mir genau aufzuschreiben wann ich was hatte. Jetzt bleibt mir nur noch mein von der Krankheit angefressenes Gedächtnis. Könnte euch dazu noch mit allmöglichen Kuriositäten und witzigen bis bizarren Anekdoten füttern, aber ich bin zu schwach. Ich bleibe nur beim Nötigsten, das wird anstrengend genug. Das heißt ich werde nicht erzählen dass ich Nachts von den Sachen halluzinierte die ich tagsüber im Fernseher sah. Das ist zu bekloppt, das darf ich nicht genauer ausführen sonst verlier ich all meine Freunde.

Zu den Blutwerten: Ich rief mit unverständlicher Sprache an, die Mandelentzündung erstreckte sich bereits über den Gaumen und befiel schon mein komplettes Zahnfleisch, Zähne taten mir weh und was sonst noch alles. Frau am Telefon sagte erstmal “Oh”, das hab ich bei meinen Arzttouren schon oft gehört. Leberwerte stark erhöht, genauso wie die Entzündungswerte. Am gleichen Tag den nächstmöglichen Termin wahrnehmen und rüberkommen. Pfeiffer könne aber noch nicht bestätigt werden. Eine Blutprobe wurde weitergeschickt um das zu klären. Bei wie vielen Ärzten war ich jetzt? Fünf, zwei davon Notdienst wovon mir der erste sozusagen das schlimmste erspart hat. Wer weiß wie lang mein Hausarzt noch mit Antibiotikum im Nichts herumgestochert hätte, wenn der nicht den Pfeiffer ins Spiel gebracht hätte. Und dabei war es so offensichtlich! Zumindest offensichtlich dass man mal das Blut danach untersucht. Wurde nur nicht gemacht. Ihr erinnert euch, mir wurde ja nicht mal in den Hals geschaut. Egal, ich bin kein Arzt. Witzig ist nur, dass meine Freundin einer ihrer Freundinnen meine Leiden am Telefon beschrieb und die sofort auf Pfeiffer tippte (weil sie’s selbst schon hatte, nur nicht so schlimm wie ich). Schön. Und selbst als Pfeiffersches Drüsenfieber bei meinem Hausarzt endlich zum Thema wurde, reichte man mich zum nächsten Arzt in der gleichen Praxis weiter und der sagte, das is’ kein Pfeiffer, das is’ ne Mandelentzündung. Sei nur komisch dass das Antibiotikum bei mir nicht anschlage. Von denen durfte ich übrigens vier verschiedene durchprobieren. Bei meiner ersten Schmerzmittelinfusion wurde die Dosis des Ersten erhöht. Der Notdienst der das erste Mal vom Pfeiffer sprach wechselte das Antibiotikum und gab mir eines, von dem ich keinen Ausschlag bekomme, sollte sich Pfeiffer bestätigen. Zurück bei meinem Hausarzt wurde der Pfeiffer negiert (trotz weiterhin angeschwollener Lymphknoten, vier große am Hals sowie in der Achselhöhle) und ich bekam ein anderes Antiobiotikum, also Nr. 3. Bevor ich nach Hause durfte noch eine Infusion weil ich ja seit Tagen nichts mehr trinken konnte. Sogar die Spucke wich öfters in einen Eimer oder in ein Taschentuch aus, weil ich den Schmerz nicht mehr aushielt.

Antibiotikum Nr. 3 vertrug ich nicht, ich erbrach jede Pille (unangenehm bei endlos angeschwollenen Mandeln), also ging ich wieder zum Arzt. Der suchte erstmal ein bisschen rum und zog dann aus seinem Schrank eine alte angebrochene Schachtel. Die Dinger vertrug ich schon besser. Dachte ich! Nachdem mir Pfeiffer Drüsenfieber nun offiziell bestätigt wurde, ging ich Freitag wieder zu einem (diesmal leider anderen) Notdienstarzt, weil ich einen juckenden roten Ausschlag bekam. Außerdem beunruhigte mich die ansteigende Menge an Blut in meinem Durchfall, an dem ich schon etwas länger litt. Notdienst sagte, beides eine unnötige Nebenwirkung des Antibiotikums, welches mir bei Pfeiffer ohnehin nichts hilft. Aha. Klar. Antibiotikum absetzen und gegen den Ausschlag neue Pillen nehmen (Nebenwirkung: Müdigkeit, bei Pfeiffer ohnehin präsent, aufgrund starker Schmerzen und verstopfter Atemwege nur nicht so schlaffördernd wie man meinen könnte). Eine kleine Story gabs übrigens noch dazu: Eine Mitstudentin des Notdienstarztes starb an einem unerkannten Pfeiffer als sie in der Badewanne ausrutschte und dabei ihre vergrößerte Milz riss.

Am nächsten Tag breitete sich das sogenannte Antibiotikumexanthem weiter aus und tut es heute noch. Wenigstens im Gesicht, das komplett rot war wie nach einem 1000-Meter-Sprint, ist es zurückgegangen. Auch die Augen sind abgeschwollen, nur nicht Oberlippe und Nase. Über den Juckreiz und die Unverträglichkeit mit Seife und Wasser möchte ich nichts schreiben, das frustriert mich nur zu sehr. Wenigstens fühlt sich mein Hals nicht mehr so an als müsste ich durch eine Wand mit Stacheldraht schlucken. Man gewöhnt sich zwar früher oder später an den Schmerz und muss sich nicht mehr irgendwo festhalten wenn man schluckt, trotzdem ist es einfach ein großer Zusatz an Lebensqualität wieder halbwegs schmerzfrei essen und trinken zu können. Diese Krankheit wirft mich in meiner persönlichen Semesterferienplanung um Lichtjahre zurück und nicht nur dort. Mein letzter Stand ist ein dickes Minus von sechs Kilo auf meiner Waage und ich möchte mich nicht nochmal draufstellen weil es sicher weniger geworden ist. Jeder der ein wenig Krafttraining betreibt und ähnliche Schwierigkeiten hat zu zunehmen, weiß wie viel Arbeit hinter solchen sechs Kilo steckt. Ein paar dürfte ich wieder durch ausreichende Wasserzufuhr schnell draufbekommen, der Rest ist verlorene Zeit in der Vergangenheit und vor allem verlorenes Geld. Letzteres habe ich seit den unzähligen Rezept- und Praxisgebühren (1x für Hausarzt, 1x für Notdienst) nicht mehr. Eins ist sicher, diese Krankheit hat nicht nur mein Immunsystem aufs gröbste zerfickt, sondern auch alles andere um mich herum. Selbst das Verhältnis zu meiner Oma ist angekratzt weil wir 24/7 beieinander sind und sie mich mit dieser bescheuerten Art ihrer Sorge Ausdruck zu verleihen wahnsinnig macht! Ein paar Freunde entpuppen sich auch als nicht haltenswert. Scheiße ist das. Da kann ich nicht mal damit angeben dass es mich besonders schlimm erwischt hätte (O-Ton diverse Ärzte) und als Entschuldigung für meine Arschigkeit möchte ich das sowieso nicht missbrauchen. Und jetzt muss ich den Laptop von meinem Bauch heben, der ist nämlich immer noch wegen den angeschwollenen Organen sehr druckempfindlich. Man sieht sich. Und sorry für wirre Worte und Sätze. Langsam lesen, ein bisschen Fantasie und man versteht mich.

Noch was für die, die sich Sorgen machen: Die Frustration, die Verzweiflung und der innere Schmerz den ich während dieses Semester verspürte macht meinen momentanen Pfeiffer-Stress zur Schwanentretboot-Wasserfahrt, also keine Angst. Eye hold my head up.

Thema: Weichei-Wehwehchen | 10 Kommentare

Sonntag, 10. August 2008 | Autor: Roger B. Nigk

Der ärztliche Bereitschaftsdienst hat den Verdacht geäußert, dass euer Lieblingsblogger das Pfeiffersche Drüsenfieber hat.

Schmerzmittel-Infusion

Thema: Weichei-Wehwehchen | 5 Kommentare

Let’s Marry, Mary!

Freitag, 8. August 2008 | Autor: Roger B. Nigk

01.01.01 – 02.02.2002 – 03.03.03 – 04.04.04 – 05.05.05 – 06.06.06 – 07.07.07 …

Zum ersten Mal bin ich wach genug oder muss nicht in der Schule abhängen um mit eigenen Augen zu sehen wie originell sich manche Menschen vorkommen weil sie sich an so nem 3er-Pasch-Datum das Ja-Wort geben. Nicht von mir angreifen lassen; wenn du heute geheiratet hast gratuliere ich dir natürlich aufrichtig. Du darfst jetzt deinen Ehepartner ficken ohne deinen scheiß Schädel noch tiefer in die Hölle zu bohren (sofern kirchlich vermählt).

Wie die achte biblische Plage ziehen sie übers Land: Frauen in Kostümen, Männer in Anzügen. Hier ne Braut, da ne Braut. Hier hochgepushte Titten, da hochgepushte Titten. Hier schreiende Blumenkinder, da weinende Blumenkinder. Überall Brautkleider. Ich bilde mir ein dass sogar mein Hausarzt eins trug.

Beschissene Nacht gehabt. Es rächt sich dass ich Onkel Dok bei meinen letzten zwei Besuchen nicht dazu zwang in meinen Hals zu schauen, denn was die letzten Tage brannte, ist jetzt verkohlt. Geschwollene Knoten am Hals, zwei schmerzende Beulen am Knochen zwischen Hinterkopf und Genick. Schlecht geht’s mir. Seit dem 24.07. bin ich nun mehr oder weniger krank. Geile Semesterferien. Musik wollte ich machen. Kurzgeschichten wollte ich schreiben. Einen Roman beenden. Freunde nach langer Stilleperiode mal wieder kontaktieren. Business-Sachen klären. Mit der Freundin verreisen. Alles muss hinten anstehen. Schade dass ich keine Podcast-Sendungen bringe, dann könntet ihr hören wie zerfigkt meine Kehle ist. Schlucken schmerzt.

“Wissen Sie Herr Doktor,” sage ich zu ihm ,“so richtig wehleidig bin ich ja nicht” und werde mit einem lauten Stoßlachen von ihm unterbrochen. Ich schaue ihn böse an. “Erzählen Sie weiter, Herr Nigk.”

“So richtig wehleidig bin ich ja nicht,” ich halte kurz inne und sehe wie er sich die Hand vor den grinsenden Mund hält, “aber ich kann nicht mehr schlucken. Wie soll ich essen oder trinken? Kann nicht mal meine beschissene Spucke runterwürgen.”, “Wie viel wiegen Sie inzwischen, Herr Nigk.” …

Er schaut sich meinen Hals an, leuchtet tief rein. Dann verlässt er den Raum und holt eine Schreibtischlampe mit der er mir noch mal reinleuchtet. “Die Batterie meines Leuchtstifts ist zu schwach, Herr Nigk.” Mit einem Holzstiel wie man ihn im Eis hat, drückt er meine Zunge runter. Dabei knarzt das Ding leise. Eine böse Erinnerung kommt in mir hoch. Ein früherer Arzt hat so ein Holzding mal in meinem Hals abgebrochen. Hätte es fast eingeatmet. Aber heute war ich cool. So zugeschwollen wie mein Maul ist, kann ein abgebrochenes Holzding nicht weit kommen. Tabletten verschreibt er mir, die ich natürlich nicht schlucken kann. Muss bis zwei Uhr warten bis meine Apotheke die Dinger hat. Vor mir steht eine angefangene Nudelsuppe die ich nicht aufessen werde. Zu meiner Oma sagte ich, dass ich mir meine Mahlzeiten in den nächsten Tagen von hinten zuführen werde um meinen Hals zu umgehen…

Wann ich heiraten werde, fragt ihr? Nicht an einem 3er-Pasch-Datum. Mein Hochzeitstag wird eine spezielle Bedeutung haben. Am 13.02.2032 werde ich sie zu meiner Frau machen. Ich werde Ende 40 sein und mich täglich über meine bisher vergeudete Lebenszeit beschweren. Es wird ein Freitag sein. Freitag der Dreizehnte. Aus Februar kann man das Wort “Bauerfr.” bilden, also Bauersfrau. Das bedeutet entweder dass sie eine Bäuerin ist oder ich ein Bauer und wir beide vielleicht einen Bauernhof haben werden. Das Jahr 2032 hat die Zahl 32 in sich. In der 32. Schwangerschaftswoche wurde ich geboren und 32 Tage maschinell beatmet. Und die 20 aus 2032 ist der umgedrehte Februar (“02″). Na? Das macht doch mal Sinn und ist nicht so ganz uninspiriert wie ihr 3er-Pasch-Pussys! Ich bin offline, scheiß auf alles.

Thema: Weichei-Wehwehchen | Ein Kommentar