Fuck, was gayed’n?!

Dienstag, 29. Juli 2008 |  Autor: Roger B. Nigk

War beim Arzt. Dass es so schlimm um mich steht hätte ich nie gedacht. Vorahnend träumte ich heute Nacht davon wie mich ein von innen stark verschimmelter Krankenwagen abholt und in das Krankenhaus fährt in dem meine Mutter fahrlässig getötet wurde. Dort operierte mich Hannibal Lecter bei vollem Bewusstsein und machte aus meiner entzündeten Hirnhaut eine Nudel-Ei-Suppe, die er mir zu essen gab bevor Vera Int-Veen sich auf meinen offenen Schädel setzte, von ihrer Lebensgefährtin an der Hand gehalten als sie ihre Notdurft verrichtete … ihre Notdurft in meinen Kopf.

Lustig. Kaum dass ich die hart zusammengekratzten zehn Euro Praxisgebühr aus der Hand gegeben habe, merke ich dass ich aufs Klo muss. Die Sprengung der Toilettenschüssel war für mich sehr befreiend. Den Arzt begrüßte ich dann mit den Worten “Mein Stuhlgangproblem hat sich grade in ihrer Praxis gelöst, aber jetzt wo ich die zehn Euro schonmal los bin, belästige ich sie noch ein bisschen.”

Hatte mir einen Zettel zurechtgelegt und zählte ihm jedes meiner Zipperlein auf, er tippte mit. Zum Ende meiner Ausführungen sagte ich noch: “Und Hypochondrie vielleicht.”, “Das kommt noch dazu, ja”, sagte er mit einem breiten Grinsen.

War herkömmliches Doktor-Nigk-Geplauder. Ich mit meinem laienhaften Fachgesimpel, er mit seinem hinterfotzigem Zuhörerblick, sprich: Wir verarschen uns jedes Mal von Sekunde eins bis Ende und reden mehr über private Dinge wie z. B. das Fernsehprogramm als über sonstwas (in seinen Aktenmitschriften über meine Krankheiten schrieb er allen Ernstes noch Musiker, Schriftsteller und Wirtschaftsinformatikstudent dazu). Jedes mal kommt es mir so vor, als könnte ich einem Arzt meine Leiden nie gut verkaufen, weil ich mir niemals zu Schade für einen blöden Spruch bin und all meine Leidensbeschreibungen mit einem so dreckigem Fluidum an schwarzem Humor überziehe, dass man mich einfach nicht ernst nehmen kann. Hat mein Opa selbst als er im Sterben lag noch getan. In seinen letzten Stunden für fast keinen mehr verständliche Witze, aber wir wussten dass der tiefreine Kristall des Humors in ihm vom Krebs nie wirklich befallen war, im Gegensatz zu allem was diesen Humor an seine Umwelt hätte verständlich weitergeben können. Das gehört in einen anderen Blog-Beitrag.

Ob ich Angst vorm Blutabnehmen hätte, fragte er. Natürlich nicht. “Falls doch, könnte man das auch im Liegen machen, wegen ihrem …”, “Nee, passt schon. Soll ich gleich ins Labor?”, “Klar, wenn sie wollen.” Dann kam ein langes Referat seinerseits, wie toll seine Laborleute sind und wie zärtlich die mit Spritzen umgehen und dass ich nix merken werd und dass ich – wenn ich einmal war – immer wieder zum Blutabnehmen kommen möchte bis er mich wegen Blutarmut behandeln kann um endlich sein Haus abbezahlen und in den wohlverdienten Ruhestand gehen zu können und bla bla. Nachdem er mir noch zwinkernd ein Rezept zusteckte fragte er noch ob ich mich endlich mal dazu erdreisten könnte meinen längst überholten Impfpass zu finden und das nächste Mal mitzunehmen. “Kommt drauf an ob ich die Blutabnahme überlebe.”

Kaum dass ich meinen Namen in die Laborliste eintrug, fiel mir ein, dass ich schon gefrühstückt hatte. Zwar nicht viel, aber doch ein wenig. Das könnte bei der Blutanalyse Probleme bereiten, besonders weil ich unter anderem wegen Zucker untersucht werde usw. Hat mir dann nach einer Minute Wartezeit auch die Laborkraft bestätigt, mit deren Tochter ich früher in die FOS ging. Muss morgen hin. Darf Tee und so Zeug schon trinken, aber nix anderes halt. “Da sind Sie mir ja nochmal ausgekommen, Herr Nigk.”, “Ihnen vielleicht, aber nicht dem Tod.”

Was ich verschrieben bekam und was mich vor meinem frühen Legendentod bewahren soll: Kreislauftropfen. Zuerst Pillen, aber die kann ich ja nicht schlucken. Wirkstoff ist von nem Mutterkornalkaloid abgeleitet. Nice. Da werd ich die Grenze von bis zu 3x täglich (je nach Bedarf) doch gleich heute noch weit übertreten. Man tut ja sonst nichts um seinen unendlichen Weltschmerz kurzzeitig zu betäuben.

Kopfweh.

Schluss jetzt.

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Thema: Weichei-Wehwehchen

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Ein Kommentar

  1. 1
    b 

    Ja von wegen die 3x-täglich-Grenze überschreiten! Haha! Hol morgen erstmal das Zeug und dann schreib weiter.

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