Beiträge vom 21. Juli 2008

Wie Thanatos Freuds Arschloch deflorierte

Montag, 21. Juli 2008 | Autor: Roger B. Nigk

Bleib ich so wie ich mich grad fühle, werde ich magersüchtig. Kein Hunger. Zumindest noch. Keine Lust etwas zu essen und bleibt das so, werde ich magersüchtig. Für immer.

Ich hätte große Lust all meine Stunden im Fitnessraum meines Onkels und den Mehrverbrauch an Nahrung im Rahmen des Muskelaufbaus einfach so verpuffen zu lassen. Ich will die über Jahre hart erkämpften Kilos wieder loswerden. Weg damit. Ich will an meinen Ursprung zurück. Zurück zu dem, was die Natur ohne mein Zutun für mich gewollt hätte. Ich will dass alles was ich in meinem Leben getan und geleistet habe nutzlos wird, wenn es das noch nicht ist. Dieses innere Jucken möchte ich wegkratzen, meinen ganzen Körper ausschaben und jedes Organ, jeden Zentimeter Gewebe den ich nicht brauche, laut brüllend aus dem Fenster werfen. Hunde sollen fressen wovon ich mich trenne: Niere, Hoden, Blinddarm, Mandeln, Harn, Fäzes, Tränen, Freunde, Verwandte, Bekannte, Schule, Geld, Gesundheit …

Ich möchte etwas kaputtmachen. Was könnte da näher liegen als ich selbst. Das wird ein großartiges Selbstexperiment! Alles unterlassen was zu unterlassen möglich ist ohne sich auf der Stelle umbringen zu müssen. Essen, trinken, bewegen, sprechen, waschen, blinzeln. Im Zimmer einsperren. Wird schon keiner merken dass ich weg bin. Falls doch, mir egal, denn ich hab den Schlüssel. Ich machs wie mein ehemaliger Schulkamerad heute, der schon seit Monaten mit seiner Frustration zu kämpfen hat: In Klausur gehen, rumheulen, sich schneiden, im Selbstgespräch schlimme Worte an sein nutzloses Leben richten. Hunger hab ich. Durst hab ich. Nur Lust, die hab ich nicht.

“Ich habe sie immer gefürchtet; was man auch dagegen tut: ihre Verwitterung. Überhaupt der ganze Mensch! – als Konstruktion möglich, aber das Material ist verfehlt: Fleisch ist kein Material, sondern ein Fluch.”
- aus homo faber. ein Bericht (Max Frisch)

Thema: In sich gekehrt, Weichei-Wehwehchen, crackbrained | Ein Kommentar