Geradeheraus

Donnerstag, 26. März 2015

Ziemlich lange her, das zwischen uns, was niemals war. Liebe macht blauäugige Buscapés blind und blöd. So konfrontativ unsere Begegnungen für mich waren, du selbst bist einer Konfrontation immer schön ausgewichen. Was du mir ins Gesicht sagtest, war in einer SMS oder E-Mail schnell aufgehoben. Da hattest du Gründe mir zu schreiben. Meine E-Mails dagegen, ließt du unbeantwortet. Es mag schon sein, dass ein Mann mit mehr Stolz dir gar nicht erst welche geschickt hätte. In dieser allumfassenden Dunkelheit war die Hoffnung, dich als Freund zu gewinnen, ein kleiner, rot leuchtender Punkt. Ich sah ihm lange dabei zu, wie er Tag für Tag dunkler wurde. Am Ende wusste ich nicht einmal mehr, dass dein Rufname, eine Abkürzung deines eigentlichen Vornamens ist, geschweige denn, wie dein Vorname überhauptet lautet. Aus den blauen Augen, aus dem wiederkehrenden Sinn.

Es passiert einem im Laufe des Lebens wohl öfters, aber wenn es passiert, wundert man sich stets aufs Neue, wie klein die Welt doch ist. Eine Freundin lud mich zum Fortgehen mit ihrer Mädchen-Clique ein. Sie lockte den alten, notgeilen Sack in mir damit, dass eine heiße Singlefreundin dabei wäre, die gut zu mir passen könnte. Mir war das zu kurzfristig, obwohl ich wusste, wie geil ein Abend werden kann, wenn man der Hahn im Korb ist.

Einige Wochen später kam sie wieder auf ihre vermeintlich heiße Freundin zu sprechen. Ein paar Details ließen mich öfters zwinkern und mit den Nasenflügeln zucken. “Wie heißt sie denn?” Da fiel dein Vorname und sie ging wieder dort hin, wo sie meinen leicht hysterischen Lachanfall nicht hören konnte. Als sie zurückkam, fragte jemand anders nach dem Nachnamen des Mädchens, und es war der, den ich vorhersagte. Yop, es hätte peinlich werden können, wenn ich die Einladung damals angenommen hätte – so peinlich, dass es eigentlich schon wieder verdammt cool gewesen wäre. Klein ist die Welt und klein war deine Antwort - auf eine fast ein Jahr alte E-Mail - die “zufällig” bei mir eintrudelte.

Deinen Namen zu lesen ließ mich nicht die Augen aufreißen, verschnellerte weder meine Atmung, noch meinen Herzschlag. Ich stieß einen kurzen Lacher aus, das war’s. Dann schloss ich das Fenster, ohne deine Nachricht gelesen zu haben. Es ist mir selbst im nachhinein unmöglich zu benennen, warum ich zickte. Hatte ich Angst vor dem, was du hättest schreiben können? Gab es Grund dazu? Vielleicht hatte unsere gemeinsame Freundin schon mit dir gesprochen (natürlich erzählte ich ihr von unserem “Verhältnis” das nie ein “Verhältnis” wurde, denn so bescheuert ich manchmal auch sein mag, ich stehe zu dem, was ich getan habe) und du wolltest mich aushorchen, erfühlen ob es Grund gab, mir fern zu bleiben, falls wir in Gefahr liefen einander über den Weg zu laufen. Vielleicht wolltest du einfach nur mal ficken. Wäre nicht das erste mal, dass sich ein Mädchen deswegen plötzlich wieder an mich erinnert. War ich so gekränkt und verletzt wie ich damals hoffnungsvoll und anschließend enttäuscht war? Wollte ich selbst dieses mal einer Konfrontation aus dem Weg gehen?

Viel geschrieben hast du nicht. Dein förmlicher, Distanz in persönlichen Themen herstellender Schreibstil weckte Erinnerungen. Du begründest deine Antwort mit Zeit und Muße. Dann Arbeitsstellenwechsel, Umzug und andere familiäre Umstände und verwirfst damit unsere letzten Treffen Ende 2013 oder Anfang 2014, in denen du mir davon bereits erzähltest. Nach meinen Projekten willst du dich erkundigen und selbstredend/-schreibend auch über meine Gesundheit – wäre ja unprofessionell von dir. Nach vier Tagen habe ich dir geantwortet, genauestens darauf achtend, nicht mehr zu schreiben als du (etwas, das mir als Möchtegern-Texter prinzipiell schwer fällt).

Deine nächste Antwort kommt 17 (oder waren es 18?) Tage später. Du schreibst etwas befreiter, achtest nicht auf korrekte Zeichensetzung und Rechtschreibung. Man könnte meinen, du hättest dich gefreut, als du es geschrieben hast – darüber gefreut, dass ich mich nicht wie ein Arschloch benehme. Dazu gab und gibt es keinen Grund, aber meine emotionale Distanz zu dir geht über mehrere Meilen. Es kommt gar nicht bei mir an, wie du mir ungefragt von einem Projekt erzählst, welches mich eigentlich interessieren würde. Ich bin schon lange weg, wünsch mir so oft frohe Ostern wie du willst.

Vielleicht ist meine Distanz zu dir gar keine emotionale. Dass es eine Distanz gibt, ein riesiger, Schall und Schrift zerstreuender Abstand zwischen dir und mir, das ist Fakt. Und vielleicht hat sich das Einbahnstraßen-Zeichen dieser Distanz inzwischen in die andere Richtung gedreht, doch das ist vollkommen egal – ich komme dir nicht entgegen und lasse dich auch nicht an mich ran. Ich werde dir nicht antworten, weder Zeit noch Muße dazu finden. Da bin ich einfach geradeheraus (ja, dieses Wortspiel kannst wohl nur du verstehen, aber das ist okay so). Kein böses Blut zwischen uns, nicht einmal ein Blut pumpendes Herz.

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Schon vor dem Kampf besiegt

Freitag, 20. März 2015

Es reicht allein schon die Aussicht darauf, ein riesiges Arschloch (skrupellos gewalttätig, ständig auf Drogen gewesen, noch keine Haare am Sack und schon im Knast, dann Haare am Sack und noch ein paarmal im Knast, Muay-Thai-Training seid zwei Jahrzehnten) nach 17 Jahren beim Sparring wiederzusehen, dass ich wieder diese Ängste, Unsicherheiten und dieses Selbstwertgefühl im tiefen Minusbereich in meinen Knochen spüre, welche mich meine Schulzeit hindurch begleiteten. Ein paar Was-wäre-wenn’s im Kopf durchgespielt und ich fühle mich in diese ekelhafte Zeit zurückversetzt. Ich hoffe, es geht ihm nicht genauso. Ich hoffe, ich werde diesen Menschen nie wieder in meinem Leben sehen müssen.

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Heute steh ich früher auf …

Mittwoch, 11. März 2015

… heute steh ich früher auf, heute steh ich früher auf, heute steh ich verdammt nochmal früher auf …

Oh, schon nach 12.

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Heute geh ich früher ins Bett …

Mittwoch, 11. März 2015

… heute geh ich früher ins Bett, heute geh ich früher ins Bett, heute geh ich früher ins Bett …

Oh, schon nach 12.

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Hunger Pains

Dienstag, 10. März 2015

Liest man sich die Biographien von Promis aus den verschiedensten Bereichen durch, erkennt man bald eine große Gemeinsamkeit: Allen ging es irgendwie dreckig, sie hatten kein Geld, kein Dach über den Kopf, nichts zu ficken und waren einfach mal mächtig am Arsch. Ihr Leben brachte sie fast um. Ich hielt das immer für eine billige Rechtfertigung gegenüber dem minderbemittelten Rest der Welt, was den perversen Luxus-Lifestyle der (Erfolg)Reichen angeht. “Ich darf mir jetzt mit Blattgold den Arsch abwischen, weil ich früher ganz unten war! Ich weiß wie’s is’! Das Leben ist ha-ha-ha-ha-hart, hihihi.” Je älter ich werde, desto mehr überdenke ich mein Vorurteil, auch wenn das nicht wirklich stimmig ist, mit meinem extrem ausgeprägten Sozialneid.

Wer es in was auch immer ganz weit nach oben schaffen will, muss schwer dafür schuften und dann noch darauf vertrauen, dass ihm das notwendige Quäntchen Glück zuteil wird. Diejenigen, die nichts hatten, hatten nichts zu verlieren und kämpften sogar ausgeknockt noch weiter für ihren Traum. Sie wussten, was es heißt, wenn der Bauch vor lauter Hunger schmerzt und wenn sie sich das erste mal satt essen konnten, verschaffte ihnen dieser vermeintlich kleine Erfolg eine weitere Schippe Motivation, auf dass sie nie wieder Hunger leiden sollten. Es gab keine Rückschritte mehr und wenn doch, waren sie notwendig, um Anlauf nehmen zu können. Mit dem Kopf durch jede Wand und der Welt beweisen, was für ein Held man ist.

Ich lebe monetär weit unter der Armutsgrenze, aber ich finde immer einen trockenen Schlafplatz, die Kühlschränke sind voll, die Räume warm und die Waschtrommeln schleudern meine dreckigen Klamotten sauber. Ein Dummer findet sich immer, der mir aus der Patsche hilft. Doch vielleicht ist genau das, das Problem. Ich weiß nicht wirklich was es heißt, richtig zu hungern. Ich bilde mir immer ein, nichts zu haben, nur passiert das in den Momenten, in denen ich nicht daran denke, dass es Kleidung und Wärme ist, die ich auf meiner Haut spüre. Ich bin einfach nur völlig ratlos. Andere wissen auch nicht wo ihr Ziel liegt, aber sie gehen wenigstens die nächsten Schritte.

Meine Pläne, Ziele, Wünsche und Träume lagen einst alle sehr deutlich vor mir. Für ein paar Sekunden die Augen schließen und ich konnte fühlen was und wer ich bin, wo ich sein wollte und warum. Auf tausend Blättern stand jeder Schritt konkret aufgezeichnet. Und dann war es so weit, ich hatte mir den Freiraum geschaffen, meine Ziele anzugehen. Jedes noch so kleine Detail war durchdacht, es ging nur noch um die Umsetzung. Da merkte ich plötzlich, wie alt ich inzwischen geworden bin. Kein Antrieb, kein inneres Feuer, keine Leidenschaft, keine Motivation, nichts ist da, an was ich mich hochziehen könnte. Ich habe schlichtweg keine Lust. Es ist, als würde ich mich dem Leben völlig verweigern. Ich will nicht leben, ich will vegetieren und mir beim Verwesen zusehen.

Jeder macht was aus seinem Leben. Seit ich mich aktiv zurückerinnern kann, war es mir wichtig, anders als alle anderen zu sein.

Diese tollen Personal Development Leute und humanistischen Psychotherapeuten-Wichser sagen, es gibt immer Phasen im Leben eines Menschen, in dem er nicht weiß, was zum Fick er tun soll, was er mit sich anstellen soll, was das überhaupt alles soll. Solche Phasen müsse man aushalten, es käme immer etwas, wenn man nur offen genug dafür bleibt (und nicht nur “etwas” kommt, nein, es gibt den ultimativen Heilbring-Moment, der das Leben so richtig in den Flow bringt, bis  … ja, bis zur nächstens Nichtsnutz- & -tu-Phase). Ist das wirklich so? Woher soll was kommen? Ist diese Art von Glück für jeden im Leben vorprogrammiert? Was sagt mir, dass diese “Lösung”, dieser Ausweg aus dem Nichts jedem gegönnt ist? Gibt es eine Wissenschaft dazu? In welchen Journals muss ich blättern, um hier fundierte Studien zu finden? Ist ja echt schön, wie mir das Mut machen soll. Aber ich bin einfach zu alt. Ich will nicht mehr warten. Ich will nichts tun. Und ja, das ist lustig wenn man bedenkt, dass das Nichtstun mich überhaupt erst in meine hoffnungslose Lage brachte.

Meine Texte sollten hoffnungsloser werden. Ich wollte meine Persönlichkeitsentwicklung an meinen Texten fest machen. Keine Lust dazu. Ich habe zu absolut gar nichts Lust. Vielleicht soll es einfach so sein.

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Schnittbericht

Freitag, 6. März 2015

Brotmaschine. Daumen. In meiner Familie scheinen diese beiden Dinge eng verknüpft. Heute um 5 Uhr in der Früh (!) legt Omama das Brot in die Brotmaschine und will losschneiden, aber nix geht. Troubleshooting Step 1: Ist eingesteckt? Nee, fuck! Also legt sie die eine Hand auf die Brotmaschine (warum auch immer), stöpselt mit der anderen ein und RAAAAAAAAATSCH, tief steckt die Kreissäge im Daumen, weil sie den Schneidknopf vorher nicht wieder verriegelte (ich finde, das müsste bei dem Scheißteil automatisch gehen).

Göttlich geschickt eingefädelt schlafe ich zufälligerweise in meinem alten Bett, statt mich irgendwo auf der Straße herumzutreiben, und werde von ihrer zitternden Stimme geweckt. Ich musste nicht lange suchen was passiert ist, die dicken Tropfen auf mein Laken waren gut hörbar. Wie schon damals, bei meinem Cousinchen, blutete es sehr stark. Ich sah nach, ob irgendwas an ihrem Daumen fehlte, nö, nur ein verfickt tiefer Schnitt. Wie oft sie mir mein Hobby “Kampfsport” vorhält – das liegt an unserer Familienvergangenheit – und jetzt war es der Grund, dass ich überhaupt die Utensilien dazu hatte, ihre Wunde zu desinfizieren und zuzuklöppeln. So hatte auch der Arzt später nicht mehr viel zu tun. I can’t stress it enough: Bringt euer Erste Hilfe Wissen auf den neuesten Stand, frischt es auf, geht in Kurse, übt. Ihr könnt niemals wissen, wann was passiert. Denkt dabei an die Menschen, die ihr liebt. Danke.

PS: Versucht mal um 5 Uhr in der Früh einen Arzt mit Nähzeugs aufzutreiben. Es hat schon seine Begründung, warum alte Leute zu unchristlichen Zeiten aus dem Verkehr gezogen und ins Bett gehören. Da passiert weniger. Und ich werde nicht aufgeweckt.

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Ich kann …

Samstag, 14. Februar 2015

… keine Blog-Beiträge zu Ende bringen. Es klappt nicht. Die Entwürfe im Backend werden immer mehr. Und dann liegen diese Textfetzenfotzen rum wie Hundehaufen und ich verliere jegliche Lust, Blümchen in sie hineinzustecken. Ich habe nicht mal Lust mit Stampftritt einen Haufen zu plätten und mir die Schuhe an irgendwas HEILIGEM abzuwischen.

Wie viele Idioten es im Internet gibt ist unfassbar. Im echten Leben sind manche von ihnen nicht ganz so laut. Oder sie halten die Fresse, wenn man vor ihnen steht. Kein Nigk, der nach ihnen mit Hundehaufen wirft. Kein Nigk, der verbohrten Spießerfotzen einen Korken in den Arsch schiebt. Kein Nigk, der diesen ganzen Arschlöchern mal erklärt, dass der Begriff “Fotze” wahrlich nicht sexistisch zu verstehen ist. Aber das ich hübschen Frauen am Nacktbadestrand in die Locken spritze, das ist sexistisch zu verstehen (“Scheiß Fotzen!”). Dass ich gerne Frauen nach ihrer Meinung frage und höflich entgegne “Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal ‘nen Mund voll Schwanz nehmen” – das ist auch sexistisch zu verstehen (“Ihr scheiß Fotzen!”).

Es gibt schon wirklich viele Idioten im Internet. Sexistisch. Laut. Vulgär. Bereit ein Messer mit den Rippen zu fangen und dabei hysterisch zu lachen. Unterschätze ein Niemand den Verzweifelten.

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