Limbo-Bitchin’ (Shitstorm Motherfuckerz)

Sonntag, 9. Juni 2013

Diesen Blog-Beitrag plane ich schon länger. Ich wollte ausgiebig recherchieren, Bücher wälzen, Google zum glühen bringen und dann eine alles zerfickende FU-Bomb droppen. Stattdessen schreibe ich in heftigster Hast, weil ich mal dringend scheißen müsste, was ich nicht will, bevor ich das hier nicht fertig habe. Sonst denk ich mir nach ‘m Kacken “Oh, eigentlich könnt ich mir jetzt noch einen runterholen.” und danach “Wo hab ich eigentlich die Porno-Kassette mit dem Elefanten und der Minderwüchsigen?” Und wenn ich die gefunden habe, dann wieder “Oh, eigentlich könnt ich mir einen runterholen.” Keine Ausreden. Ich zieh das jetzt durch.

Keine Ahnung ob es hierzu Statistiken, offizielle Analysen oder konkrete Erkenntnisse aus der Psychologie gibt, die sich explizit mit dem Thema befassen. Ich habe keinerlei wissenschaftlichen Background, versuche nur das Phänomen des “Shitstorms” im Internet ein wenig auszuleuchten. Ob dabei was rauskommt, das dich menschlich weiterbringt, ist mir hierbei ziemlich egal. Wer nicht weiß, in welchem Zusammenhang ich das Wörtchen “Shitstorm” nutze, der kann sich vorher auf diese beiden Wikipedia-Einträge stürzen: Shitstorm & Flamewar.

Jeder hat schon mal von diesen niedlichen Stürmchen gelesen, gehört oder vielleicht sogar partizipiert. Bionade mit Drag-Queen-Werbung, Georgina Fleur mit Hochwasser-Foto, die Brigitte-Autorin mit ihrem Skateboarder-Diss und viele andere mussten sich von diesem Fäzes-Fön das Arschloch nach öffentlich gemachten Durchfall trocknen lassen. Aber auch viele Privatpersonen sehen sich durch ihren Bildungsstand, Aussehen, Lebensstil oder sonstigen Ansichten kleinen bis großen Shitwinden unter YouTube-Kommentaren, 9gag-Bildern oder Blog-Beiträgen ausgesetzt (nicht “Shitwind, eher “Furzwind”, so nenn ich das mal, in der Hoffnung, der Begriff findet Einzug in die Fachliteratur). Letzteres hatte ich hier noch nicht, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich streng mich schon lange genug an!

Fragen, die ich mir stelle: Warum machen diese Shitstormtroopers das? Und ist das in Ordnung so? Es ist ganz sicher kein Teil einer ethisch vertretbaren Internet-Etikette.

Auslöser für die Eile dieses Blog-Beitrags ist, neben meinem Drang mal ordentlich zu Defäkieren, die gestrige “Wetten, dass …”-Folge. Eigentlich schau ich diesen Müll nicht, da der Müllmann-Moderator meiner Meinung nach eine Profilneurose hat, die ihn ständig dazu zwingt, andere in ihrem Status zu senken und sich selbst als Alphatier darzustellen.
Kurz beschrieben: Bei der Lanz-Challenge kamen drei Leute aus dem Publikum mit einer Wettstreitidee, bei der sie gegen Lanz um eine Hawaii-Reise spielten. Einer von den dreien war Howard Carpendale. Per Publikumsentscheid, sollte ermittelt werden, wessen Challenge genommen wird. Bei Howard ging es um Kugelstoßen. Würde die Wahl auf ihn fallen, würde er für einen der beiden anderen Kandidaten spielen – schließlich ist der gute Howy ein Alt-Promi, der – anders als z. B. Sido bei “Absolute Mehrheit” - solche Gewinne nicht nötig hat (zugegeben, Carpendale hätte bei 300.000 € sicher auch schwer schlucken müssen). Tja, anders als sich die Redaktion wohl dachte, entschied sich das Publikum für eine unscheinbare Hausfrau im typischen Deutsch-Touri-Malle-Look, die Lanz im Limbo zeigen wollte, wie man die Hüfte gut in Stellung kriegt. Tippt auf YouTube “wetten dass limbo” ins Suchfeld ein. Ihr werdet u. a. Videos finden, in deren Titel “Limbo Frau wird ausgebut” steht. Ausgebut. Ihr merkt, es kündigt sich ein gewisses Niveau an.

Gesehen was los war? Gesehen, wie Lanz behauptet, er wüsste nicht, was Limbo ist (“Ich leg nich vor! Ich weiß ja gar nich wies geht!”), trotz entsprechendem Aufbau vor ihm? Und gesehen, dass die Limbostange nur drei Schwierigkeitsstufen hatte? Entweder wusste man, weniger schafft eh keiner oder man hat sich einfach nicht auf die Challenge vorbereitet. Im Video lernt man übrigens, dass Limbo in der Karibik (Trinidad) ein “Beerdigungstanz” sei (damit hätten die Öffentlich-Rechtlichen schon mal den Bildungsauftrag für diese Sendung erfüllt, höhöhö). Also ich wusste das nicht und da sagt mal einer, Fernseh macht blöde! Ich hoffe, der vorgeführte Limbo war der Tanz für die Beerdigung des aktuellen “Wetten, dass …”-Formats …

Mir war sofort klar, wenn sich das sonst so zivil aufführende ZDF-Publikum zu heulenden Buhrufen und gepfefferten Pfiffen hinreisen lässt, wird es im Internet eine große Sturmscheißerei geben. Auszug aus den ersten Kommentaren gefällig?

MrKreuzritter75: “Was für eine dämliche Kuh! Hoffentlich erstickt sie auf Hawaii an einem Stück Ananas….”

wolfen wolf: “Das erste mal bei Wetten das…??? das eine Frau blöder ist als Cindy!”

Deutschitaliener1989: “Den limbostab einfach in den Arsch schieben, dann schweigt die Kuh”

SecondStan: “Die Frau hat so einiges verdient, aber bestimmt keine Reise nach Hawaii.”

MKetcher77: “Die muss mal richtig blank einen in Arsch Kriegen, damit sie es Lerntr” (Anm. Roger: Für dieses Kommentar braucht er drei Anläufe, die man alle noch lesen kann: “Was war das denn, will die verarschen ? Die muss mal richtig blank einen k” und “Die muss mal richtig blank el”)

Als Spam gekennzeichnet und ich finde, der User hat recht, Randonneur80: “Und dass eine Kandidatin vorgeführt wird, hätte es früher auch nicht gegeben. Der Gottschalk hätte eine Kandidatin wenigstens vorm blökenden Pöbel in Schutz genommen. RTL-Niveau nun auch bei den ÖR.”

ToastFlunder Thielen: “Die Frau ist dumm !! Was labert die von Wikipedia ?!! Alle buhen !! So eine dumme … Flugzeug Sturz ap”

ckone139: “hoffentlich kommt der Flieger dieser dummen verlogenen Sau nicht auf Hawaii an. Soll sie im Meer Limbo üben ! MIT MEINEM GELD FLIEGT SIE IN DEN URLAUB ! Danke !”

Anm. Roger: Na? Gehts oder soll ich mit den Kommentar-Zitaten aufhören? Ein paar noch …

MCXCify: “Die Limbo Fotze hat RTL geschickt” (Anm. Roger: Für mich eines der schlimmsten Kommentare. Dann doch lieber Tod wünschen.)

TheCptKork: “Wie wärs, wenn wir dem ZDF ein paar Beschwerden schreiben, immerhin ist das unser Geld, mit dem diese Sau ihren Urlaub bezahlt bekommt?!” (Anm. Roger: So weit ich recherchieren konnte, wird die Reise nicht von den GEZ-Gebühren bezahlt.)

beidlgsicht: “hure”

D4rkraver: “Diese dumme dreiste Fotze!”

Torcida1401: “Was ein Miststück.Die soll nie wieder glücklich im Leben werden.”

Bluehound84: “Evtl stürzt das Flugzeug mit ihr drin ab…das wäre ausgleichende gerechtigkeit!”

ricoderhuso: “So ein unsympathisches Stück schei**e!” (Anm. Roger: Dieses Kommentar ist dagegen natürlich voll sympathisch, ja, ja, ja …)

Ich muss gestehen, diese Frau verkauft sich nicht gut. Gar nicht gut. Sie nähert sich Cindy aus Marzahn in einer Distanz, in der man entweder knutscht oder eine Prügelei anfängt und ruft, auf ihren Fehler angesprochen: “Wir können jetz gern mal in Wikipedia gucken, liebe Cindy!” (oder so ähnlich, meine Laptop-Speaker sind kaputt und knistern komisch). Nicht gut, gar nicht gut. Ich kann das buhende Publikum verstehen. Die obigen Kommentare allerdings nicht. Ganz ehrlich? Ich wünsche der Frau einen schönen Urlaub mit ihren Kindern. Sie scheint den jetzt erstmal bitter nötig zu haben. Cooler wäre es allerdings gewesen, wenn man dem anderen Typen (nicht Howard) auch eine Reise geschenkt hätte. Obwohl es in seiner Challenge um Sangria ging, was ich echt bescheuert finde. Liquid Ecstasy hätte besser ins Konzept gepasst. Und wenn die Frau obendrein noch erkannt hätte wie angebracht es gewesen wäre, ein bisschen demütiger zu sein, statt aggressiv, dann wäre die Welt nun ein besserer Ort. Hach, schönes Gedankenspiel … aber nööööööö, alles doof und YouTuber intubieren mit ihren Schrumpelpenissen …

Wer zum Fick sind wir, dass wir anderen wegen solchen Lapallien blanken Hass entgegenbringen und sogar den Tod wünschen? WETTEN, DASS die, die am lautesten Fluchen, ihre eigene Unzulänglichkeit unter solchen Kommentaren verstecken? “Oh ja, endlich kann man mal wieder jemand anderen richtig schön runtermachen, nur um nicht spüren zu müssen, wie beschissen man selbst ist.” Gehts noch? Ich kann nur den Kopf schütteln.

Etwas heftiger erging es der Brigitte-Autorin, die in einem polemischen Artikel (224 Wörter) Männer beleidigt, die sich mit 25 Jahren noch immer auf Skateboards stellen (wozu ich auch gehöre). Neben den übelsten Beleidigungen beschmierte man ihr Haus, es gab Androhungen von körperlicher Gewalt bis hin zum Mordaufruf. Was zum Fick?! Scheißegal (oder besser Shit-egal) ob man sich im Internet bewegt und hier nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen sollte. So was ist unglaublich! Unglaublich undurchdacht, unglaublich bescheuert und unglaublich beschissen! Das war der Brigitte-Artikel zwar auch, aber das rechtfertigt solch asoziales Verhalten in keinster Weise. Hier muss ich zugeben, dass ich den Artikel als sehr beleidigend empfand und es sogar eine kurze Genugtuung für mich war, als der Skater-Terror ausbrach. Bis er sich vor ihre Haustür schob und es um Hexenverbrennung ging. Hier haben viele Menschen bewiesen, dass sie zwar nicht von ihren Skateboards runtersteigen sollen, aber definitiv weg von der Straße gehören. Denn zwischen solchen Menschen möchte ich nicht abhängen. Ich sprach übrigens mit ein paar alten Skater-Kollegen, was sie von dem Artikel hielten. “Keine Ahnung, nicht gelesen.”, “Habs gelesen, aber interessiert mich nicht.” und “Alles Bullshit was da abgeht, total behindert.”
Shut up and skate, lautet die Devise. Was juckts den freiheitsliebenden Sidewalksurfer, was so eine weltfremde Schnepfe in ihre Tastatur hackt? Sie versteht das Lebensgefühl auf den vier Polyurethan-Rollen nicht, kapiert nicht, wie die sieben Lagen kanadisches Ahorn für manche das Brett der Welt bedeuten. Muss man ihr deswegen den Tod wünschen? Es hätte eine Diskussion stattfinden müssen! Sinngemäß wäre die Rückmeldung “Gute Frau, warum schreiben Sie so etwas Gemeines? Haben wir in ihren Garten gekackt?” (oder in Kiddie-Skater-Sprech: “Yo, was geht na? Ich war gar nich stoked von ihrm Arschwisch, yo!”) und nicht “Stirb, du Fusselfotze! Ich hab dir heut in den Garten geschissen, erstick dran!” wünschenswert gewesen. Miteinander reden, sich austauschen, auf beiden Seiten mal ein bisschen länger nachdenken (etwas, dass ich oft genug in meiner Blogger-Karrieren ebenfalls nicht getan habe), Leben und leben lassen, dann kommt es nicht zu so einem Dreck! Leute, geistige Reife beweisen und nicht geistigen Dünnschiss im Netz verspritzen! Ihr seid nicht Roger Buscapé Nigk, merkt euch das!!!

So … der Blog-Beitrag hat mit weisen Worten sein Ende gefunden und ich muss plötzlich auch nicht mehr kacken. Vielleicht weil ich mich hier jetzt genügend ausgeschissen habe. Shitstormer haben kleine Schwänze und sitzen dank einer ausgeprägten Darmvorstülpung immer bequem!

Peace out

PS.: Ist dir, lieber Leser, aufgefallen, dass ich nicht wie angekündigt “das Phänomen Shitstorm ausleuchte”? Ich wollte hier wirklich mit schöner Struktur einen tollen Artikel zum Thema schreiben, wurde dann aber irgendwie fortgerissen. Naja, fuck it und sorry, falls du dir Größeres erhofft hast. Hab dich lieb! :)
PPS.: “Stefanie aus Bochum” gibt es jetzt scheinbar als Troll-Account auf YouTube.

Nachtrag 10.06.: Der Troll-Account wurde gelöscht. Ich lasse den Link aber stehen, da ich so halbwegs ableiten kann, wie viele meinen Blog-Beitrag von Anfang bis Ende gelesen haben. ;)

Nachtrag 11.06.: Die Kommentare werden nicht hübscher. Gott sei Dank brechen sich immer mehr besonnene Stimmen Bahn. Stimmen, die nachdenklich das Verhalten der Frau kritisieren. Stimmen, die sich über die respektlosen Internet-Kiddies mit chronisch entzündeten Schlupfhoden empören – aber nicht auf deren Niveau. So geht das, verfickte Scheiße! Nie die Hoffnung aufgeben, dass sich noch irgendwo Intelligenz und geistige Reife auf diesem Planeten befinden könnten.

Thema: Disrespect |  Ein Kommentar

Ausrasten/Einrasten

Montag, 27. Mai 2013

Nach meinen letzten Blog-Beiträgen ist das schwer zu glauben, aber ich gefalle mir selbst in der Rolle des Unerschütterlichen am besten. Entspannt keinen Fick geben, während andere sich die Haut vom Gesicht reißen möchten. Ist natürlich ein schwieriges Unterfangen, ständig gelassen zu bleiben. Ich habe größte Probleme damit, diese Einstellung komplett in mein Leben zu integrieren. Ab und zu entgleise ich, werde fahrig, ungeduldig, nervös, fröhne sogar mal der Lästerei (grundsätzlich eine ekelhafte Eigenschaft – außer in Blogs natürlich!). Pisst mich etwas über einen längeren Zeitraum an und ich kann es mir nicht am Arsch vorbeigehen lassen, beobachte ich folgendes bei mir:

  1. Ich versuche zu argumentieren – schlägt fehl, weil alles, was in der Lage ist mich anzupissen, sich emotionaler Inhalte bedient, meist emotionaler Erpressung.
  2. Ich sage gar nichts mehr und versuche es zu ignorieren – das wird scheinbar als Schwäche angesehen, weil es nichts ändert. Menschen, die einem ins Hirn ficken wollen, hören sich leider auch gerne selbst reden.
  3. (Diesen Teil überspringe ich den allermeisten Fällen – Gott sei Dank, weil dieser Teil intensiven Hass in Punkt Nr. 4 transportiert) Ich sage gar nichts mehr, aber verfluche den anderen innerlich – in ganz extremen Fällen wünsche ich hier sogar den Tod, was mal ziemlich abgefuckt ist, wenn ihr mich fragt. Ändert aber freilich nichts an der mich fickenden Situation, ganz im Gegenteil, damit übe ich sogar noch aktiv Druck auf mich selbst aus.
  4. Ich raste aus. Ich raste verfickt nochmal aus.

Hossa, was für schöne Eskalationsstufen. Hab ich dich neugierig auf das “Ausrasten” gemacht? Wie rastet Roger Buscapé Nigk aus? Rennt er auf eine Neugeborenenstation und macht sich aus Gedärmen und kleinen Babybeinchen Nunchakus, mit denen er alle ummäht? Nö. Viel langweiliger. Ich mache meine Stimme scharf, stecke mir ein Messer ins Gehirn und lasse meine dunkelsten Gedanken über meine Zunge abfließen. Wo andere den Gürtel rausziehen werde ich “nur” laut. Klingt niedlich, oder? Ist es nicht. Es wird dann ziemlich böse. Was ich in diesem Augenblick so rauslasse, würde mir eine Heidenangst machen, wenn ich dabei distanziert genug wäre, um mir selbst zuzuhören.

Letzte Woche hatte ich solch einen Ausraster. Ich ging gleich danach zu meinem Onkel ins Training und shit, ich erzählte ihm was los war und musste lachen. Ob ich hätte lachen können, wenn ich mir vor dem Ausrasten eine fünf-minütige Maulsperre aufgezwungen hätte? So als Cool-Down-Phase, sich besinnen, von 10 auf 0 zählen, an das eigene Krafttier denken. Sicher nicht. Es war das andere, freundlichere Umfeld, der Ortswechsel, der mich wieder cool machte, obwohl das nur hieß, von einer Wohnung in eine andere zu gehen. Der Trigger für mein Entspannen war damit fremdbestimmt (Ortswechsel, freundlicheres Umfeld etc.). Bin mir sehr bewusst, dass nur ich Gefühle in mir zulassen kann. Ich arbeite daran, mich selbst in bessere Stimmung zu kriegen, ganz ohne Trigger (z. B. durch Ortswechsel, Pornokonsum, Kinder auf der Straße anzünden).
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie hart es ist, mit 27 Jahren ohne vorherige Entscheidungsfreiheit in eine Abhängigkeit verwoben worden zu sein. Im Nachhinein betrachtet bin ich eigentlich schon ein bisschen stolz auf mich, dass ich nicht öfters ausraste. Ich kann meinem Sklavenhalter einfach nicht entkommen. Dem Menschen, der nur mein Bestes will und mir deswegen die Flügel abgekappt hat.

Well …

Wer in irgendeiner Weise nicht ganz richtig im Kopf ist, versammelt sehr wahrscheinlich auch andere “Sonderlinge” in seinem sozialen Umfeld. Denkt an das Mädchen, das immer wieder in Missbrauchsbeziehungen landet und/oder in diesen verweilt, weil es angeblich keinen Ausweg gibt. Auf die Gefahr hin hier ideologisch zu klingen, so möchte ich, ohne statistische Fakten vorweisen zu können, behaupten, dass derartiges selten ein Zufall ist. Gleich und gleich gesellt sich gern, da ist verdammt viel Wahres dran. “Gegensätze ziehen sich an” trifft wohl nur auf feminine/maskuline Polarität zu (die es auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen geben kann). Aber das soll eigentlich nicht das Thema sein. Wie spanne ich jetzt nochmal den Bogen zum Thema? Verfickte Scheiße, immer dasselbe … bei mir ist der rote Faden in der Bloggerei ein vollgesauter Tampon, der durch die Eingeweide einer Elefantenkuh wandert, bis er irgendwann mal zum Rüssel rauskommt.

Mir ist es in den letzten Jahren sehr wichtig geworden, wirklich kranke Menschen aus meinem Umfeld fernzuhalten. Gar nicht so leicht, ich bin in gewisser Weise unter Psychos aufgewachsen (damit könnte ich meine Familie meinen, doch die mein ich ausnahmsweise mal nicht) und meine Hobbys ziehen dieses Psycho-Milieu recht deutlich an. Wenn dieses Fernhalten nicht klappt – eben durch eine in der Erziehung und höhere Gewalt aufgezwungene Abhängigkeit – bin ich mit meinem Latein schnell am Ende. Dieses “locker bleiben” fällt mir unter emotionaler Gewalteinwirkung alles andere als leicht. Aber ich finde auch, dass man dieses “Fels in der Brandung sein” nicht zu wörtlich nehmen sollte. Man MUSS sich erlauben dürfen auszurasten, sonst wird man krank. Erlaube dir, auszurasten! — unter gewissen Umständen …

Wer ausrastet, muss auch wieder einrasten. Das heißt für mich nicht nur, man solle wieder zur eigenen Mitte finden. Das heißt vor allem, dass man Wogen wieder glättet, dass man zusammenklebt, was man zerschlagen hat, dass man die Tränen wegküsst, die man in anderen hochkochen ließ. Ich gab mir die Auszeit einer Nacht. Zeit, um mich zu beruhigen. Zeit, um die im Raum stehenden Gefühle ein wenig absacken zu lassen. Und am nächsten Morgen ging ich zu demjenigen, den ich mit meinen Worten so zerfetzt hatte. Sie war schon lange vor mir wach, saß schlafend auf der Couch. Ich streichelte ihr Haar bis sie zu mir hochsah. Und sie sagte völlig erleichtert: “Ich bin so froh, dass du nicht mehr so bist.” Eine Reaktion, die ich nicht erwartet hatte. “Es war mein Fehler, warum bin ich so blöd, ich wollte das nicht. Bitte entschuldige.” sprach sie weiter. Ich sagte ihr im Grunde das gleiche. Alles war wieder gut und ehrlich gesagt sogar besser als vorher. Meine ständige Anspannung aus den ersten drei Eskalationsstufen war verflogen. Ich knirsche nicht mehr mit den Zähnen, wenn ich sie essen höre. Ich ekele mich nicht mehr, wenn sie mir etwas kocht. Sie engt mich weniger ein.

Wird nicht mehr lange dauern und die alte Routine hat sich wieder eingeschliffen. Wir Menschen werden doch jedes mal wieder auf uns selbst zurückgeworfen. Nur weiß ich jetzt, dass wenn ich wirklich nicht mehr in der Lage bin, ruhig zu bleiben, ich den Schneid habe, alles wieder einzurasten. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies immer gelingt, wenn es von Herzen kommt. Nunchakus aus Gedärmen und Babybeinchen, Alter, was zum Fick …

PS.: Nur weil man in der Lage ist, alles wieder “einzurasten”, stellt das keinen Freischein aus, mal wieder ordentlich durchzudrehen. Man sollte sich schon im Griff haben. Wer eine niedrige Hemmschwelle hat, hat allgemein ein Problem an dem er arbeiten muss.

PPS.: “Ausrasten” steht für mich in keinerlei Verbindung zur körperlichen Verletzung anderer. Wer das nötig hat, genießt meine tiefste Verachtung. Zu einem Fall diesbezüglich, schreibe ich in einem der nächsten Blog-Beiträge. Wenn ichs nicht vergesse.

Thema: In Gedanken versunken |  2 Kommentare

Kurz gehalten (ohne Eier)

Samstag, 4. Mai 2013

Diesmal halte ich mich kurz, weils mir echt beschissen geht. Zu den in meinem Erbgut getränkten Taschentüchern im Mülleimer gesellen sich Taschentücher voll mit den Inhalten, für die Taschentücher ursprünglich geschaffen wurden.

Mein letzter Blog-Beitrag liest sich im Nachhinein ziemlich komisch für mich. Kann daran liegen, dass ich seit Montag krank bin und alle Gedanken zu “Die dreckige Null” mit Fieber, Rotze und Durchfall angeschwemmt wurden. Ja, lecker, ich weiß schon, was bin ich nur für ein Ferkel, heh? Das ist der ~ zerfigkt ~ Blog, hier erwartet man Exkremente und Extremes.

Wollte jedenfalls nur gesagt haben, dass es nicht so schlimm um mich steht, wie es vermuten lässt. Scheiße ja, mein Gott, ich stolper halt trotz jahrelanger Persönlichkeitsentwicklung noch immer in Phasen harter Depression, aber die gute Nachricht ist, ich hab schon lange nicht mehr an Selbstmord gedacht. Ist doch gut, oder?

Die dreckige Null ist Ausdruck zweier Dinge, die mir momentan auf den Sack gehen:
Meine Stammortschaften zum Fortgehen sind nicht mehr zugänglich und da ich – wie schon oft erwähnt – sonstige Discos, Clubs, Bars und Kneipen aller Art verfickt nochmal HASSE (ist einfach so), habe ich erstmal nichts, wo ich am Wochenende entspannt einen draufmachen könnte.
Dann verpissen sich die paar Freunde, die ich habe und gleichzeitig noch um mich rumhaben möchte (seltene Kombination), in andere Städte. Alle machen sie entweder Karriere oder haben den Mut, ein neues Leben anzufangen, während ich hier mit jedem Schritt – ob zuhause oder in der Arbeit – ein gutes Stück weiter verwese. Meine Fresse “verwese”, was für eine dick aufgetragene Scheiße. Ich verwese nicht. Finde ich keine weniger schwulstige Formulierung für meinen Zustand? Ich verreck. Ja, das triffts gut. Mit jedem Tag, den ich in meinem aktuellen Zustand verlebe, krepiert ein kleines Stückchen meiner Selbstachtung. Und ich kann nicht weg! Aber ich kann jetzt weg vom Laptop, damit ich nicht wieder einen hirngefickten Selbstmitleids-Beitrag schreibe. PEINLICH!

Ich muss mir Eier wachsen lassen.

Thema: Allgemein |  2 Kommentare

Die dreckige Null

Samstag, 27. April 2013

Alles steht wieder auf Null. Kein tiefer Fall, aber ein harter Aufprall.

Man hat mich um die zwei wichtigsten Fortgeh-Orte beraubt. Wo ich letzte Nacht war, fühlte ich mich nicht wohl. Wir wechselten die Locations ziemlich oft. Trotz der unglaublichen Hitze überall, wurde ich mit nichts warm. Die Menschen, an die ich mich gewöhnt habe, sind in der ganzen Stadt verstreut, sind weggezogen oder werden bald wegziehen. Die neuen Menschen, die mir vorgelegt werden, sind schwere Arbeit, für beiden Seiten. Ich etabliere mich ungern. Sich einreihen war noch nie mein Ding. Mit den Nachteilen muss ich leben. Ich bin ein sehr eigener Kopf, ein ganz komischer Kopf. Mich muss man erstmal lieben lernen und das dauert bei mir länger als bei normal funktionierenden Leuten. Und es ist anstrengend. Aber ich rede mir ein, dass diese Anstrengung für jeden, der sie auf sich nimmt, einen respektablen Zugewinn am eigenen Leben darstellt. Schließlich bin ich ein interessanter Mensch, das darf ich arroganterweise mal ganz unbescheiden behaupten. Nur, wer macht das schon? Viel zu viel Aufwand! Ich bin keiner, den man sich aus der Freundesfrittenbude holt. Ich bin für Feinschmecker, die sich was leisten wollen. Kackkaviar, perfekt verdaut.

Gestern Nacht war ich wieder etwas angetrunken und von da an flog die Selbsthassrakete aus meinem Hodensack hoch in mein Gehirn. BOOM, MOTHERFUCKER! DU WOLLTEST DOCH NICHTS MEHR TRINKEN UND JETZT TUST DUS SCHON WIEDER? ARSCHLOCH! Ich zerpflücke die Blumen meiner eigenen Unzulänglichkeiten, derer es viele gibt, und kaue auf den bitteren Stengeln rum. Jedem, der mir zu nahe tritt, spucke ich Nektar in die Fresse. “Heute hasse ich Menschen mal wieder besonders ausgiebig.”

Ich hasse Discos, Clubs, Bars, Kneipen (und oft alle, die in solchen Etablissements Spaß haben können). Es ist schlimmer als mit Bier: Anfangs schmeckt es beschissen, doch man gewöhnt sich dran und irgendwann mundet es einem sogar. Jetzt, wo man mir meine Gewohnheiten entrissen hat, stehe ich am Nullpunkt und fächere mir kurz vor dem Ersticken selbst Luft zu, indem ich meinen Schwanz schwinge. Zum kotzen ist das.

An einer Dönerbude spiele ich den Taubstummen und ein paar Fremde glauben mir und gleichzeitig doch nicht. Schlimm verschluckte Laute, die ich von mir gebe. Sollte ein Taubstummer das lesen, kriegt er einen Blankoscheck um mir in den Arsch zu treten. Komisch ist, dass ich in meiner Rolle kurz sogar etwas wie Freude empfinde. Ich war ein glücklicher Mensch, ganz kurz. Hatte vielleicht mit dem Gefühl des absoluten Loslassens zu tun. Selbstaufgabe für ein paar Minuten. Irgendwann bekam ich, von einer meiner Begleitungen, noch eine klatschende Ohrfeige in die Fresse. Sollte spielerisch sein, wars aber nicht ganz. Zu einem anderen sagt er: “Keine Sorge, ich weiß wie man abstoppt, das war nicht wild.” Als er später einen Ellbogenschlag an das Seitenfenster eines parkenden Autos gibt, – viel zu fest – sagt er: “Shit! Ich kann meine Kraft nicht mehr einschätzen.”

Kurz vor der Warteschlange zu einer verfickten BWLer-Arschloch-Disco, unterhielten sich meine Kollegen mit einer Gruppe Damen und ich lehnte gegen einen Parkpfosten. Ich hatte keinerlei Ambitionen mich irgendwie einzuklinken, wartete lange, war schön langsam genervt, dann drängte und quängelte ich. Auf einmal steht ein kleines süßes Mädchen neben mir und quatscht mich an, was ich als Anlass nehme, meine Kollegen als kleine Rache warten zu lassen. Keiner kennt sie, ich sie auch nicht und wir unterhalten uns einfach. Alles ohne Anfang, Einleitung oder Vorwarnung. Das hätte eine schöne Unterhaltung werden können, aber weil ich mich wie ein Haufen Scheiße fühlte, hatte ich keine Chance Negativität aus dem Spiel zu lassen. Selbst meine interessierten Fragen brachten unangebrachte Ernsthaftigkeit und Zukunftsangst ins Gespräch. Sie fühlte sich bestimmt unwohl und wird jetzt schlimmstenfalls an dem beruflichen Weg zweifeln, den sie eingeschlagen hat. Meine Kumpels gingen schon mal rein. Ich gab ihr zwei Sekunden, auf meine letzte Frage zu antworten und sie sagte leicht geknickt, ich sollte meinen Freunden hinterhergehen. Ich senkte den Blick, streichelte sie beschwichtigend am Oberarm, als wollte ich mich für die vergeudete Zeit entschuldigen und ließ sie alleine stehe, ohne auch nur einmal zurückzuschauen.

Drinnen löste ich mich von meinen Kumpels und ging so lang im Kreis durch diesen Haufen arschgefickter Druffis, Alkis, Studenten und Schüler, bis ich sie irgendwann wiederfand. Dann stand ich nur noch still da, wie eine Salzsäule. Ich war gepisst, hochgradig gepisst – wegen mir, der Disco, wegen allem. Ich ging schlafen. Zuerst im Stehen zu ekelhaft übersteuerten Elektro-Blast-Beats, dann in der WG eines Freundes zum vertunnelten Geplapper seiner betrunkenen Mitbewohnerin.

Nachdem ich in meinen Fortgeh-Klamotten auf der Couch pennte, ging ich zu einem VHS-Kurs, der mit meinen vielen Interessen zu tun hat. Und da war ich wieder der Alte – aufgeschlossen, freundlich, lustig, kommunikativ, ehrlich. Neue Bekanntschaften gemacht, aus denen vielleicht mehr wird. Habe lachen können, über mich selbst und das Leben, wie es in dieser kleinen Subkultur stattfindet. Dort wollte ich sein, dort wollte ich meine Zeit verbringen, dafür lohnte sich jeder Cent. Für die verdammte Discotour lohnte sich nicht der leiseste Furz. Das ist nicht meine Welt, wird es wohl nie sein. Irgendwann bin ich sicher besser drauf, habe mich vielleicht sogar an etwas Neues gewöhnt und lächle über diesen Blog-Beitrag. So wie ich mich jetzt fühle, habe ich mich vorerst von dieser Scheiße losgesagt, fröhne einem Eremiten-Leben und schaukel vollhändig meine Eier in Gegenwart eines jeden, der mir die Hand reichen will. Im VHS-Kurs gab ich jemanden meine Visitenkarte, der zu mir passen könnte, weil sie ein paar meiner Interessensgebiete abdeckt. Handynummer wollte sie nicht rausrücken, ein gutes Zeichen, ja, ja, ich weiß schon (besser als nix). Wenn sie sich nicht meldet, wenn sie nicht zu einer Freundin wird (es geht mir um Freundschaft, nicht um eine romantische Liebesbeziehung), wenn sie mein Leben nicht langfristig bereichert, kann mir das soziale Leben die Kuppe trocken lutschen. Nennt man “Alles auf eine Karte setzen” – reichlich dumm, mir egal. Ich habe meine Anfangszeit ohne großartige Sozialisierung überlebt. Fick diesen überbewerteten Scheißdreck. Und wenn ich morgen wieder anders über die Welt denke, lese ich diesen Blog-Beitrag durch, um diese ekeligen Gefühle wieder aufzufrischen. Ich muss endlich mal konsequent sein, sonst ist dieses selbstmitleidige Geheule noch lächerlicher als es ohnehin schon ist. Rumheulen kann ich verdammt gut.

LIMP BIZKIT – NOBODY LOVES ME LIVE 1997 AT MINNEAPOLIS

Thema: crackbrained |  2 Kommentare

Be Quiet And Drive (Far Away)

Montag, 15. April 2013

Ich habe es über die Facebookseite von Limp Bizkit erfahren. Und so begann der Arbeitstag trotzdem beschissen, obwohl mein Chef und alle, die mich in der Arbeit ankotzen, nicht im Haus waren …

Der frühere Deftones-Bassist Chi Cheng ist am Samstag, den 13. April verstorben. Nach einem schweren Autounfall Ende 2008, fiel er ins Koma. Er fuhr ohne Gurt und wurde aus dem Auto geschleudert. Seine Schwester, die ebenfalls im Auto saß (angeschnallt), wurde dagegen nur leicht verletzt. Sein Herz hörte nach jahrelangen Hochs und Tiefs nun endgültig auf zu schlagen.

Sein Tod ist nichts, was mich depressiv macht. Aber doch tief betroffen. Dieser Kerl brachte die Basslautsprecher meines CD-Players zum knacken. Ich äffte ein paar seiner Live-Moves ab, wenn ich selbst auf einer Bühne Bass spielte. Er begleitete mich, zusammen mit dem Rest der Deftones, beim Aufwachsen. Ich kann jede verdammte Zeile der ersten vier Deftones-Alben auswendig mitsingen, kann so gut wie jedes Lied davon nachspielen. Ich brauche nicht mehr die CD oder MP3, um “around the fur” hören zu können – es ist alles in meinem Kopf abgespeichert. Ich lege ihre Alben rein, wenn ich mich nach anstrengenden Songwriting-Sessions musikalisch erden muss. Ich werde nie mehr die Chance haben, sie in Original-Besetzung auf der Bühne spielen zu sehen. Und ich werde wahrscheinlich nie die Bilder vergessen, in denen er im Krankenbett nur noch ein verwaschenes Abziehbild seiner selbst war.

Leute, ich BITTE euch inständig … schnallt euch an (das mit Alkohol und Handy muss ich nicht extra erwähnen, oder?). Fährt euer Fahrer los, bevor ihr angeschnallt seid, bittet ihn, freundlich aber bestimmt, zu warten.

Heute war im Nachbarort ein heftiger Unfall auf einer Kreuzung. Ein Rettungshubschrauber musste landen. Meine Arbeitskollegin gab mir Bescheid, weil sie sich dadurch zur Arbeit verspätete. Als wäre das nicht genug: Nach meiner Mittagspause hörte ich es 150 Meter hinter mir laut scheppern. Wieder eine Kreuzung, rechts vor links missachtet (heute fuhren einige wie gesengte Säue; muss wohl am schönen Wetter liegen). Der Verursacher rauschte dem anderen voll in die Seite, so dass letzterer auch noch gegen eine Garagenwand schlug. Und als ich ins Büro ging fiel mir ein, dass das Auto, welches den Unfall verursachte, vorher an mir vorbeigefahren war. Ich sah wie sich zwei kleine Jungs auf der Rückbank balgten, einer im Kindersitz, keiner von beiden alt genug, um schon eingeschult worden zu sein. Sie waren zwar angeschnallt, aber saßen komisch ineinander verknotet – alles andere als sicher und stabil (einer hatte den Gurt sogar komisch um den Hals hängen, ja, auf sowas achte ich). Drei Feuerwehrkutschen rückten an und ein Krankenwagen. Heftiges Bild. Ich hatte keine Kinder schreien hören. Hoffen wir das Beste.

Und weil es so verfickt wichtig ist, an dieser Stelle noch einmal:

SCHNALLT EUCH AN!

Wenn schon nicht für eure eigene Sicherheit, tut es - sofern ihr weiblich seid - für den Seat-belt-Effekt. So ein Gurt zwischen den Titten ist echt was feines.

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In stillen Gedenken an Chi Cheng (July 15, 1970 – April 13, 2013)
Ruhe in Frieden, Mann.

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Postkoitale Postkarten

Freitag, 12. April 2013

Ich liebe es, Postkarten zu bekommen. Ich sammle sie und freue mich über jede einzelne, vor allem über die von Frauen, weil ich die bei Besuch gerne mal mit den Worten auf den Tisch haue: “Da, die hab ich mal geknallt, und die hab ich mal geknallt und die und die und die auch, ja, warum sonst sollten die mir Postkarten schreiben, eh?”. Und immer wenn ich mal was vor der Nudel hatte, sage ich am Ende: “So, jetzt musst auch du mir ne Postkarte schreiben”, nur damit die verlogene Story kredibel wird. Freilich schickt mir keine eine postkoitale Postkarte. Stattdessen flattern einstweilige Verfügungen mit fettgedruckten Klauseln zu einem Annäherungsverbot ins Haus, meist nachdem von der jeweiligen Dame dieser Blog gefunden wurde … oder wenn ich ihnen meine Fetische gestand …

Wie gesagt, ich liebe Postkarten. Je exotischer das Absenderland, desto feuchter wird mein Höschen. So bekam ich zum Beispiel mal eine Karte aus dem Eck irgendeiner Unberührbaren-Kaste in Indien. Vorne drauf war ein Fettsack mit schimmligen Dreadlocks, der gerade seinen Schwanz Fickfakir-mäßig um einen Stock wickelte. “Das hast du nun von deinen ständigen sexuellen Anspielungen” stand hinten drauf. BAM, der Nackenschlag saß (klar, dass ich die Karte nicht zum Angeben herzeig – well played, Madame!). Ich Trottel muss das mit dem Stock natürlich sofort nachmachen. Konnte sage und schreibe dreimal wickeln, aber ich hätte nicht dabei pinkeln sollen. Sauerei.

Diese Woche bekam ich zwei der begehrten Kärtchen. Eine aus London und eine aus der kältesten Arschritze Deutschlands. Natürlich kamen beide von Frauen. Die Londoner Karte war von meiner Ex (wie ich diesen Ausdruck “MEINE Ex” hasse … weiß jemand ein schöneres Synonym? Bitte ins Kommentarfeld posten). Sie schickt mir von überall her Karten, weil sie Fernweh in mir erzeugen will. Ich käme nicht weit genug rum und irgendwie hat sie ja auch recht, gebe ich das bisschen Kohle, das ich verdiene, ja immer für anderen Müll aus (Pornohefte, Gitarrensaiten, Bücher …). Und auch bei dieser Karte wird der Fernweh-Button an meiner Schläfe voll durchgetreten: The River Thames, Houses of Parliament, Tower of London, Piccadilly Circus, Tower Bridge, St. Paul’s Cathedral – alle bei Nacht oder Abenddämmerung fotografiert, genau so wie ich Nachteule es mag (wäre nur dieser schwer schwuchtelige rosa Rand nicht, argh).
Sie weiß von einem Kunden, den ich aktuell habe (Komposition und Produktion eines zukünftigen Super-Smash-Hits, pahahaha) und hofft, dass er mir nicht schon den letzten Nerv gekostet hat. Und wir sollen “mal wieder bissl öfter telefonieren”. Echt lustig: sie war von ihrer Reise wieder zurück und wir telefonierten schon miteinander, bevor die Post überhaupt ankam. Passiert mir andauernd. Und dabei dachte ich, mit ‘nem Postfach komme ich schneller an meine Post.
Übrigens, liebe Absenderin: Du hast vergessen mir ein Deftones-Shirt aus London mitzubringen, right? *RRRRAAAAAAAANNNTTTTT*

Die andere Karte – über die ich mich natürlich auch gefreut habe – war von einer … nun ja … “Bekannten”. Mit ihr habe ich eine schöne Zeit verbracht, aber auch eine Beschissene. Sie war mir in einem gewissen Lebensabschnitt etwas wie eine “beste Freundin”, dann aber wieder doch nicht. Unser Verhältnis war aus mehreren Blickwinkeln betrachtet von Ambivalenz geprägt (wenn man so möchte von affektiver, voluntärer und intellektueller Ambivalenz; nach Eugen Bleuler war unsere Freundschaft also ziemlich schizophren).
Was ich an ihr schätze, ist ihre messerscharfe Beobachtungsgabe. Noch nie ist mir soetwas bei einem Menschen untergekommen. Wo andere Videomitschnitte wieder und wieder studieren, um feinste Nuancen auszumachen, erfasst sie es bereits mit ihren stahlblauen Augen, bevor der Kameramann die Aufnahme überhaupt beendet. Das ist Segen und Fluch zugleich – bei ihr mehr Fluch, da sie es nicht schafft, diese unglaubliche Gabe mit Empathie zu koppeln. Sie hat einen kleinen Teelöffel voll Asperger-Syndrom in ihrem System verstreut. Ist meine subjektive Meinung, nach langer Beobachtung. Im Nachhinein finde ich es schade, nicht an ihren tiefsten Wesenskern gekommen zu sein. In ihr liegt ein Trauma begraben, das für mich Erforscher menschlicher Abgründe sicherlich interessant gewesen wäre (ich weiß, dass das fies klingt, aber wenn du Heile-Heile-Welti-Welt-Blogmüll lesen willst, such dir den Blog einer verfickten Schlagerstarnutte). Zum Schluss hin war sie für mich nur noch ein “Projekt”, etwas, dass ich erfolgreich abschließen wollte. Einen solchen Umgang verdient kein Mensch und das tut mir für ihre und auch meine vergeudete Zeit ziemlich leid.
Ihre Karte war die Antwort auf eine Karte von mir. Vorne drauf eine Karikatur, deren Witz älter ist als Aleister Crowleys erster Stuhlgang auf dem K2. Irgendwie muss ständig jemand beim Kauf einer Karte an mich denken, diese Floskel wird oft genutzt. Meist sind diese  Gedanken nachvollziehbar, bei dieser Karte war es das nicht. Nicht wirklich.
“Wie geht es Dir? Was treibst Du so?” Floskeln. Auch auf dieser Karte möchte man mit mir telefonieren. Muss an meiner sexy Telefonstimme liegen, dass das jeder will. Oh, und die Hausnummer im Empfängerfeld war falsch. Hm … wenn jemand schon drei-viermal 100 km zu mir gefahren ist, um mich zu besuchen, und sogar meine Visitenkarte hat, unter welchen Umständen kann man da die Hausnummer verkacken? Vielleicht, wenn man gar nicht mit Kontakt gerechnet hat und sich gezwungen sieht, zwischen Frühstück und Stuhlgang noch schnell was rauszuschicken. Ja, vielleicht dann. (hier nochmal ein “Fick dich!” an den Briefträger, der vor gut 8 Jahren meine FH-Bewerbung wegen einem fehlenden Buchstaben im Straßennamen zurückgeschickt und damit seinen hässlichen, pissfeuchten Penis über meinen Lebenslauf gewischt hat – falsche Hausnummern und PLZ kommen dagegen immer bei mir an, vor allem wenn es sich um Rechnungen handelt)

Jetzt denkt ihr sicher laut: “Warum zum Fick verzählst du uns das alles?”
Ich verzähl euch das, weil ich Postkarten mag. Postkarten und Briefe. Weil sie so viel mehr erzählen, als man auf den ersten Blick meint. Ein bisschen genauer hinsehen und man kann herauslesen, wie das Verhältnis des Absenders zum Empfänger ist. Hat da jemand einfach mal im Bahnhofskiosk ins Regal gegriffen, ein schnelles “Servus” hingerotzt und es mit schief draufgeklebten 45 Cent auf die Reise geschickt? Oder hat sich da jemand sichtlich Zeit genommen, hat sich Gedanken gemacht, über die Karte und über jedes einzelne Wort. Der Platz auf einer Postkarte reicht nicht aus für die schriftlichen Ausholbewegungen eines Roger B. Nigks. Hier muss alles sitzen, kurz und knackig, unverblümt und direkt. SMS und sonstige digitale Kurznachrichten sind für viele die zweite Haut, hier haben wir Übung, bewegen uns sicher und wissen uns zu verstecken. Bei Postkarten sieht das anders aus. Hier müssen manche das Lügen erst neu erlernen. Sie machen noch Fehler, stellen sich schneller bloß, sind durch das Lügen sogar ehrlicher als Face-2-Face (eine schlechte Lüge sagt mehr über die Absichten eines Menschen aus, als hätte er von vornherein die Wahrheit gesagt). Masken, die man sich aufsetzt, werden zu löchriger Klarsichtfolie.
In einem Brief dagegen hat man mehr Spielraum, kann Wahrheiten umdefinieren, sich ins rechte Licht rücken. Aber meiner Erfahrung nach machen das viele nicht, so lange der Brief handgeschrieben ist, außer sie definieren und sehen sich selbst als Lügner. Mitte letzten Jahres hatte ich einen sehr Kraft spendenden Briefwechsel mit einer ehemaligen Lehrerin, handgeschrieben und auf einer wundervoll persönlichen Ebene, die man im Schulgebäude nur selten erreicht. Ein Brief ist etwas Besonderes, besonders in der heutigen Zeit. Und ich bin mir sicher, dass wenn Kafka, H. Miller und alle anderen großen Schriftsteller – von denen Briefe übermittelt sind – in unserer Gegenwart schreiben würden, hätte sie nicht auf E-Mails zurückgegriffen, sondern den altmodischen Brief genutzt.

Schwulstiger Gutmenschen-Schluss:

Liebe Leser, Freunde und Borderliner, schickt doch mal wieder eine Karte raus. Damit meine ich keine dieser lustigen “GRÖÖÖÖHL, DU HAST GEBURTSTAG, SAUF DICH ZU”-Karten, nein. Der Anlass ist, dass ihr an den anderen denkt. Verknüpft es mit irgendetwas, das ihr mit dem anderen erlebt habt, baut einen Insider-Gag ein, was weiß ich. Überlegt euch was. Innerhalb Deutschlands kostet Karte und Porto nicht die Welt. Das teuerste, was es uns kostet, ist Zeit. Wertschätzen wir jemanden, indem wir ihm ein kleines bisschen davon schenken.

Das ist natürlich nur eine kleine Idee. Am Ende solltet ihr euch von keinem Blogger, Guru oder Gott sagen lassen, was ihr zu tun habt. Macht nur, was ihr wirklich machen wollt. Amen, Mutterficker.

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Der Welt das Time-out-Zeichen geben

Donnerstag, 4. April 2013

Das Wetter war heute überraschend gut. Ähnlich wie letztes Jahr. Woher ich das weiß? Der 04. April ist der Todestag meines Großvaters, der über quälend lange Zeit gegen metastasierende Tumoren gekämpft hatte und ihnen in einer Palliativstation erlag. Eine harte Belastungsprobe für die ganze Familie, die in jedem von uns eine tiefe Narbe hinterließ.

Mein Vater holte mich von der Arbeit ab. Es war ein typischer Bürotag, genau so, wie ich ihn hasse. Der letzte Blick in meinen Terminkalender, bevor ich die Agentur verließ, zeigte mir, dass es sein 4. Todestag war. Ich fragte spontan, ob wir einen kleinen Umweg zu seinem Grab fahren könnten. Natürlich nickte er.

Baba war an diesem Tag schon dort gewesen. Es war alles schön hergerichtet. Ich zog ein Taschentuch raus und wischte ein bisschen Erde von Opas Stein. Das war mein bescheidener Beitrag zur Verschönerung seiner letzten Ruhestätte. Die Anordnung der Blumen erinnerte an die vielen Blumenbeete und -kästen, die Opa rund ums Haus bepflanzte. Fremde Menschen blieben vor seinem virtuos komponierten Farbenspiel stehen und staunten. Mit seinem Tod starben auch alle Blumen und Pflanzen, die er mit letzten Kräften pflegte, bis es einfach nicht mehr ging.

In der Hocke saß ich nun da, sprenkelte etwas Weihwasser über sein Grab, machte das Kreuzzeichen und fing hemmungslos an zu weinen. Es schoss durch meinen Kopf wie ein Sucker Punch in einer Massenschlägerei. Da war nichts mit “standhaft bleiben” und “die Tränen runterschlucken wie ein Mann”. Der Start-Knopf der traurigen Dia-Show war gedrückt. Ich sah ihn drinnen in seinem Sofa sitzen, ich sah ihn draußen in seinem Liegestuhl sitzen, ich sah ihn um den See gehen, ich sah ihn mit dem Rad spazieren fahren, ich sah ihn mit dem Hund meiner Tante, ich sah ihn mit mir im Alter von 6, 12 und 18. Ich sah all das, was ich ihm nicht mehr zeigen, von dem ich ihm nichts mehr erzählen konnte. Ich hörte das Grundrauschen von allem, was er mir erklären und beibringen wollte – Sachen für die ich mich damals nicht interessierte. Weil ich zu jung war.
Wie gerne würde ich heute seine Meinung zu bestimmten Dingen wissen, seine Geschichten, seine Erfahrungen. Ich bin mir sicher, dass es, anders als früher, heute ohne Streit geklappt hätte. Allgemein stellte ich mir die Frage, wie ein Gespräch mit ihm heute verlaufen würde. Masochistisch, über so etwas nachzudenken, ich weiß.

Durch meinen Tränenschleier sah ich meine Cousine auf uns zukommen. Sie war alleine hier. Ich erinnerte mich, wie Opa sie im Kinderwagen spazieren fuhr. Sie war so groß, muss mindestens zwei Köpfe gewachsen sein, seit ich sie das letzte Mal traf. Wie wunderschön sie war, mit dieser Melancholie in der unendlichen Tiefe ihrer Augen, die nicht wussten, ob sie weinen oder sich wundern sollten.
Sie bedankte sich verneinend, als wir ihr anboten sie heimzufahren. Ich konnte sie verstehen. In solchen Momenten muss man alleine bleiben, nur begleitet von den eigenen Schritten und dem sanften Gesang eines leichten Windes in den Ohren. Der Welt das Time-out-Zeichen geben.

Und dieses Jahr? Dieses Jahr stehe ich am Fenster, lasse meine Augen über die Plätze schweifen, an denen ich ihn immer sah, und wundere mich, wie nachhaltig sich alles ändern kann, wenn man eine einzige Person aus diesem großen Gefüge nimmt. Ein kleiner Ziegel wird aus der Wand genommen und man lebt in einem völlig anderen Haus. Ein unscheinbares Sofa steht leer im Zimmer und lässt die Augen feucht werden. Das Sofa wird irgendwann weggeworfen und man hält ein Stück von sich selbst fest, damit es nicht mit auf den Sperrmüll kommt. Ich beschließe kurz vor die Tür zu gehen. Hallo Welt, Time-out.

Nachtrag:

Mit der leicht schmerzenden Kälte in den Fingern, berichte ich noch schnell, was ich draußen getrieben habe.

Ich fuhr mit dem Klapprad meiner Großmutter an sein Grab (wo zum Fick ist eigentlich mein Rad hin? Schon ewig nicht mehr gesehen). Anders als man meinen könnte, war ich noch nie nachts auf einem Friedhof. Die Stille dort ist sehr angenehm. Über einem die Sterne in weiß. Vor einem die Grablichter in rot.

Es war mir unmöglich, die Schrift auf seinem Grabstein zu entziffern. Mit den Fingerspitzen las ich, was geschrieben steht. Geburtstage kann ich mir einfach nicht merken, das liegt nicht an ihm. Dieses Jahr wäre er 76 Jahre alt geworden. Ein Alter, das ich mir nie zugestehen würde.

Wieder hockte ich da, konnte aber diesmal nicht weinen. In Schnulzenfilmen wäre das hundselende Heulen schon längst in voyeuristischer Nahaufnahme vorgeführt worden (Tränenstift, anyone?).
Wie aus Langeweile strich ich über die Buchstaben seines Namens. Vielleicht stand ja plötzlich ein fremder Name da, alles war ein Traum und er saß daheim vorm Fernseher? Lächerliches Gedankenspiel. Kein Happy End. Und schon liefen die Tränen, ohne dass ich sie hätte kommen sehen. Keines meiner Gefühle konnte irgendwie erzwungen werden. Ich war ihnen hilflos ausgeliefert und dennoch machten sie mich auf eine seltsame Art frei.

Ich strich über die freie Fläche auf seinem Stein. Irgendwann würde hier ein zweiter Name stehen und meine Trauer multiplizieren. Dieser Gedanke ist so schwer, dass ihn mein Hirn nicht halten kann. Als würde mir mein Kopf das Time-out-Zeichen geben. Schluss mit Denken. Gute Nacht euch allen.

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