Dass gerade ich das sage (aus dem Arbeitsleben)

Freitag, 5. Februar 2016

Langsam erhärtet sich der Verdacht, dass die Leute, die besonders schnell mit Schuldzuweisungen sind, in ihrem Leben schon eine Menge Scheiße gebaut haben. Am schlimmsten sind diejenigen, die meinen, den kompletten Sachverhalt nach einem Wimpernschlag durchschaut zu haben, ohne der Gegenseite den Raum zu gewähren, ein paar Worte darüber zu verlieren. Rechtfertigungen sind ja schon sowas wie ein Schuldeingeständnis, oder? Und bloß keinen Satz mit “aber” beginnen!

Menschen mit geringem Selbstbewusstsein und -vertrauen sind Meister darin, das Leben anderer zu sabotieren. Ich versuche sie nach bestem Gewissen aus meinem Umfeld zu entfernen, aber es rücken immer wieder neue nach. Oft heißt dieses “entfernen”, dass ich flüchten muss. Irgendwann geht das nicht mehr. Und es geht auch nicht mehr, diese Menschen zu tolerieren.

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Die größten Arschlöcher

Freitag, 22. Januar 2016

arbeiten in Jobcenter (was ein beschissener Name). Sind es anfangs noch keine Arschlöcher, werden sie zu welchen – das System, in dem sie tätig sind, lässt es nicht anders zu. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass man ein Arschloch ist, wenn man sich überhaupt dort bewirbt. Besonders schlau muss man bestimmt auch nicht sein. Der Einstellungstest besteht aus einer Multiple-Choice-Frage, in der nur eine Antwortmöglichkeit falsch ist:
“Sind Sie ein Arschloch?”
[ ] ja
[ ] nein
[ ] Ich bin ein kleiner Adolf Hitler.

Kommt mir keiner mit “du musst das differenzierter betrachten”. Selbst, wenn man bloß 10 Minuten durch den Laden fetzt, um die Mülleimer auszuleeren, gehört man zu der Reihe seelenloser Arschlöcher, die das Gefühl der Liebe nur empfinden, wenn sie hilfebedürftige Menschen leidenschaftlich in den Arsch ficken hassen können. Die schlimmsten Hassmenschen sind Arbeitsvermittler. Allein schon diese heuchlerische Berufsbezeichnung kommuniziert, wie sehr man sich als Hilfebedürftiger doch bitte selbst ficken gehen soll. Mich wundern verbale, körperliche, bewaffnete Übergriffe nicht mehr. Die wahren Meister in “Leben zerstören” sitzen in bequemen Drehstühlen und sind nicht die Leute, die angespannt im Wartebereich stehen und in der Tasche das Klappmesser in der schwitzigen Faust halten. Das sind allenfalls Nachwuchstalente, die sich durch ihren Hass bestens für eine Arbeit im Jobcenter empfehlen.

Schade, dass ich ein viel zu netter Kerl bin und mir mit Messern immer in die eigenen Pfoten schneide. Mal schauen, wie weit man durch den Flur kommt, wenn man einen Baseballschläger hinter sich herschleift.

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Note to self

Montag, 18. Januar 2016

“Alles schriftlich geben lassen.”
Jemand, der so oft wie ich beschissen wurde, sollte es besser wissen. Ein solch hohes Maß an Gutgläubigkeit verdient es nicht anders, es muss ausgenutzt werden. Ging diesmal noch gut. Next time ein bisschen mehr Weitsicht. Hatte in den letzten Wochen einfach zu viel zu tun – nach langer Arbeitslosigkeit muss man sich da auch erst mal wieder dran gewöhnen.

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Von vielen missverstanden

Dienstag, 22. Dezember 2015

“Der Mensch steht im Mittelpunkt”, so liest man in vielen Unternehmens-Leitbildern. Ich hielt das immer für eine große Lüge. Inzwischen sehe ich das differenzierter. Der Mensch steht tatsächlich im Mittelpunkt …
… einer Zielscheibe.

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Du verstehst nicht, warum …

Donnerstag, 26. November 2015

… immer nur “die Besten” Krebs kriegen.
Ich verstehe nicht, warum du so denkst.

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Du kannst …

Donnerstag, 1. Oktober 2015

… meinen Blog ruhig finden. Wenn du dich eingelesen hast oder vielleicht sogar komplett durch bist und mich immer noch liebst, bist du die Frau, für die ich meinen Selbsthass mal kurz abschalten und meinen Bausparvertrag auflösen könnte.

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It’s all about the he says she says bullshit

Mittwoch, 2. September 2015

Sie sagen: Behalt deinen Job, beiß dich durch und bewirb dich nebenbei woanders! Sie sagen: Du musst endlich mehr Geld verdienen! Sie sagen: Nimm die Antidepressiva weiter und dann probier dich durch die restlichen Psychopharmaka – eines wird schon passen! Sie sagen: Geh zum Heilpraktiker! Sie sagen: Friss wenigstens Johanniskraut! Sie sagen: Lies wieder Lebenshilfe-Ratgeber! Sie sagen: Buch dir einen Power Coach! Sie sagen: Geh nicht in den sozialen Bereich, was willst du denn bei den alten Leuten, das machen nur Schulabbrecher! Sie sagen:  Fahr nicht zu ihr, du kennst sie erst seit zwei Wochen! Sie sagen: Sex in der ersten Nacht wirst du bereuen! Sie sagen: Bloß keine Fernbeziehung und schon gar keine offene! Sie sagen: Mit der anderen solltest du auch keinen Sex haben, das gibt nur Ärger! Sie sagen: Okay, sie einmal zu ficken kann man dir mal durchgehen lassen, aber warum in der nächsten Nacht schon wieder?! Sie sagen: Schau dir an wie geil die aussieht, die will dich sicher nur ausnutzen, mach die scheiß Augen auf! Sie sagen: Ach was, auch wenn du die anderen Tussis nicht scharf findest, fick sie einfach!

Ich sage: Bullshit!

Die letzten zehn Tage waren ein göttliches Dankeschön für diese unglaublich abgefuckten vier Monaten, in denen ich im großen Nichts lag, wirklich zitternd, wirklich verzweifelt und wirklich selbstmordgefährdet. Vielleicht muss man einmal solch eine tiefe Lebenskrise durchgemacht haben, um die schönen Seiten noch intensiver genießen zu können. Ich habe etwas nachgeholt, das ich in meiner Jugend versäumte. Ich bin im Inbegriff die Branche zu wechseln und tue – momentan noch in einem Praktikum – das erste mal etwas, das der Gesellschaft wirklich einen Nutzen bringt und mich vollkommen erfüllt. Und ich habe so wenig Geld wie noch nie zuvor, mache keinerlei Anstalten an Geld zu kommen und fühle mich trotzdem (oder deswegen?) frei. Das erste mal in meinem Leben haben Freunde, Verwandte und Bekannte eine ausgedehnte Pause von all dem Bemitleiden, Beraten und Bemuttern.

“I have no money, no resources, no hopes. I am the happiest man alive.”
– Henry Miller

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